« Casa Fabiana » : Natürlich originell

, von Ekkehart Schmidt, Ekkehart Schmidt-Fink

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Ein wenig nervös war Fabiana Bartolozzi durchaus noch, als wir sie im September 2010 kurz vor der Eröffnung ihres Restaurants sprachen. Aber das hatte nur mit dem Kabelsalat im Keller zu tun, den ein Elektriker gerade mühselig entwirrt. Ansonsten war alles fertig.

Der moderne, mit viel Holz und warmen Wandfarben gestaltete Raum bietet bis zu 50 Personen Platz. Fabianas Konzept ist wohl durchdacht und sie konnte sich ihrer Sache sicher sein: Im Luxemburger Bahnhofsviertel, nahe der Büros von Arcelor Mittal und vieler Banken, gibt es ausreichend Nachfrage für eine gute biologische Küche.

Ihr Sohn Sam (auf dem Foto links) hat als Masterarbeit zum Abschluss seines Tourismus- und Hotelleriestudiums gut 500 Personen befragt, die in der Nachbarschaft wohnen oder arbeiten. Mit seiner sehr persönlich motivierten Marktstudie konnte er seiner Mutter grünes Licht geben.

Mit der «Casa Fabiana» hat am 22. September 2010 das insgesamt erst dritte Restaurant in Luxemburg eröffnet, in dem zu 100 % biologisch und weitestgehend saisonale und regionale Lebensmittel verwendet werden. Das Angebot soll „nicht nur natürlich, sondern auch originell“ werden. Mit Sébastien Bert (auf dem Foto rechts) hat sie den richtigen Koch engagiert: Er experimentiert gerne mit Kräutern und essbaren Blumen, die er im Südwesten Luxemburgs sammelt und anpflanzt: Kapuzinerkresse und Ringelblumen sowie Waldmeister, Zitronenmelisse, Oregano und wilder Thymian von der „plaine des sorcières“ nahe Steinfort. Im Restaurant will er auch selbst gekochte Marmeladen verkaufen. Die Früchte kommen aus Steinsel. Es wird vegetarische Gerichte geben, aber auch Gerichte mit Biofleisch vom Angus-Rind, Huhn oder Kaninchen.

Fabiana erfüllt sich damit einen Traum, dessen Umsetzung fünf Jahre gedauert hat. Die Gemeinderätin bei der Stadt (1988 bis 1989 und seit 2005), die bis Ende 2009 als Erzieherin bei der Fondation Kannerschloss gearbeitet und von 1990 bis 1996 die Lëtzebuerger Vëlos-Initiativ geleitet hat, wollte „im Leben noch mal etwas anderes machen“. Zunächst träumte die Mutter zweier Kinder davon, in Südfrankreich eine Pension zu eröffnen, doch dann entschied sie sich doch, sich hier selbstständig zu machen. Sie machte eine sechsmonatige kaufmännische Ausbildung und plante ihr Restaurant. Es dauerte jedoch mehrere Jahre, bis sie das passende Lokal fand: in der richtigen Lage, mit behindertengerechtem Zugang, nicht zu klein und nicht zu groß.

Etika und die Spuerkeess haben für das Gesamtprojekt drei zinsvergünstigte Kredite vergeben: Im Dezember 2009 erhielt Fabiana Bartolozzi einen Investitionskredit über 350.000 Euro für den Kauf eines Ladenlokals in der rue de Bonnevoie (an der Place du Fort Wallis), das dann zu einem Restaurant umgewandelt wurde. Das Haus steht an der Stelle des 1992 geschlossenen „Victory“-Kinos nahe der Avenue de la Gare. Zu diesem Kredit mit einer Laufzeit von 17 Jahren kam im Februar 2010 ein zweiter in Höhe von 108.400 Euro für die Einrichtung der Gasträume und der Küche (Laufzeit von 20 Jahren).

Parallel erhielt die Firma Immonorma als Eigentümerin des Gesamtkomplexes einen weiteren Kredit in Höhe von 47.000 Euros (zurückzahlbar in 17 Jahren), um weitere Umgestaltungsarbeiten des Ladenlokals und der zugehörigen Kellerräume durchführen zu können.

Die „Casa Fabiana“ ist werktags von 10 – 18 Uhr, samstags von 9 – 18 Uhr geöffnet. Abends ist nur bei Reservierung für Gruppen ab 12 Personen geöffnet (Ausnahme: Freitag ist ab 19 Uhr geöffnet). Das vierköpfige Team will sich auf die Mittagskundschaft konzentrieren und neben einer festen Karte auch wechselnde Stammessen zu Preisen ab 13,50 Euro anbieten. Fabiana wird selber servieren.

Ihr Traum, dass die Casa ein „gemittlecher“ Ort der Begegnung wird, in dem sich Gleichgesinnte treffen oder nachmittags bei einem Stück Kuchen in Ruhe die Zeitung lesen, hat sich erfüllt. Die Attraktion ist der große familiäre Stammtisch, der etwas erhöht und abgetrennt den hinteren Bereich beherrscht: „Da kann man sich ein bisschen wie in einem italienischen Landhaus fühlen“ - hoffte Fabiana zu Recht.

Neben Konzerten bietet die Casa Fabiana auch Gemeinschaftsveranstaltungen einen Raum: So veranstalten die ASTI und UNIÃO eine Konversationsrunde « Zesumme Lëtzebuergesch schwätzen » (jeden Donnerstag von 10-11.30 Uhr).

Seit 2014 bewährt ist auch der tricot-thé, einem nachmittäglichenAngebot, bei dem Strickbegeisterte eine Möglichkeit haben, gemeinsam ihrem Hobby nachzugehen und dabei Ideen oder auch Assecoires auszutauschen (siehe Artikel im Tageblatt vom 04.02.2017 rechts). Nächste Daten sind Donnerstag, 13. und Donnerstag, 27. Juli 2017 (von 15 - 17 Uhr).

Kontakt:
Casa Fabiana, 3, rue de Bonnevoie, L-1260 Luxemburg, Tel.: 26 19 61 82, contact@casafabiana.lu, www.casafabiana.lu

Artikel vom 23 September 2010, zuletzt aktualisiert am 10. Juli 2017