Fairtrade Lëtzebuerg – fairer Handel in Luxemburg

, von Jean-Sébastien Zippert














Foto: Fair gehandelte Rosen aus Kenia

Im März 2017 feiert die Umsetzung einer Idee 25 Jahre Jubiläum, die Anfang der 1990er-Jahre in drei kleinen Weltläden in Ettelbruck, Luxemburg-Stadt und Esch/Alzette mit zwei Tonnen Kaffee angefangen hat: der faire Handel in Luxemburg. Nach anderthalb Jahrzehnten ist die Vereinigung TransFair-Minka, die sich in vorderster Front für diese Idee eingesetzt hat, aus dem Weg aus der Nische heraus. Seit November 2011 firmiert die Initiative als "Fairtrade Lëtzebuerg".

Zur überaus erfolgreichen Entwicklung des fairen Handels hierzulande hat auch etika beigetragen. Nachdem Transfair Minka im Jahr 2003 einen Überbrückungskredit von 20.000 Euro erhalten hatte, welchen etika aus Eigenmitteln finanzierte, hat etika gemeinsam mit der BCEE 2004 einen weiteren Überbrückungskredit in Höhe von 75.000 Euro gewährt, um es dem Verein zu ermöglichen, Produkte aus dem fairen Handel in Luxemburg vertreiben zu können. Der Kredit wurde als Überbrückung in Erwartung der öffentlichen Fördergelder gewährt.

Weitere Informationen hier

Auskunft erteilen auch:
Daniela Ragni/ Genevièeve Krol, Fairtrade Lëtzebuerg asbl, 2 a Rue de la Gare, L-6910 Roodt-sur-Syre, Tel. 35 07 62, Fax. 26 35 01 12, info@transfair.lu
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Eine intensive Kampagne über den Zucker

Transfair Minka hat zum Zeitpunkt der Kreditvergabe eine Kampagne gestartet, die darauf abzielt die Luxemburger Bürger über die Probleme der EU-Agrarsubventionen für Zucker aufzuklären. Diese Fördergelder sind Quell für unerschöpfliche Debatten. Dabei geht es stets um die Belastung des Budgets der Europäischen Union (EU), die durch die Steuern der Bürger finanziert werden. Diese Subventionen waren u.a. einer der Hauptgründe für die Verärgerungen auf dem EU-Gipfel zum Ende der Luxemburgischen EU-Ratspräsidentschaft.

Die EU-Zuckerpolitik belastet die Entwicklungsländer. Vor allem aber stellen sie eine wichtige Bremse für die Exporte aus den Entwicklungsländern dar, da ihr Preis dreimal so hoch ist wie der Weltmarktpreis. Der europäische Zucker wird ebenfalls für seinen Reexport subventioniert, und das für 1,6 Millionen Tonnen. Das ist das Äquivalent der Importe der ACP-Staaten (Afrika, Karibik, Pazifik) und Indiens. Ein Betrag von ungefähr 1,5 Milliarden Euro wird so für Exportsubventionen ausgegeben.
Foto: Zuckerproduzenten in Peru: Partner von Tranfair Minka

Nach einem Bereicht von Oxfam International hat „Europa den ärmsten Ländern der Welt den Rücken gekehrt, indem es nur Minimalreformen für ihr Zuckerregime, das ohnehin schon ungerecht genug ist, eingeführt hat“. Dieser Bericht verurteilt die Abwesenheit von angemessenen Massnahmen, um eine echte Konkurrenz zwischen europäischen – allen voran französischen – Erzeugern und den Bauern in den ärmsten Ländern der Welt herzustellen.

Die Nöte der Ärmsten zählen nicht. Europa stellt die Interessen der grossen Agrarindustrie und der reichsten Landwirte vor die Bedürfnisse der Ärmsten der Armen in den Entwicklungsländern. Die Nichtregierungsorganisationen, die im Bereich des fairen Handels tätig sind werfen der Kommission vor, die Dumpingpraktiken nicht anzugehen. Diese sind für den Verfall des Weltmarkpreises mitverantwortlich und verhindern damit logischerweise die Öffnung der Märkte jener Länder.

Etwas Bewegung?. Im Jahre 2002 haben die brasilianische, wie auch die australische Regierung die Welthandelsorganisation (WTO) angerufen. Sie beschwerten sich über die Zuckersubventionen Europas. Sie haben daraufhin gewonnen, denn die tatsächlich exportierte Menge überstieg die von der WTO autorisierte. Die EU-Kommission möchte nun diese Verurteilung nutzen und eine Reform einleiten, um den Preis des europäischen Zuckers näher an den Weltmarktpreis heranzubringen. Den betroffenen Bauern soll dann mit Direktzahlungen ein gewisser Ausgleich gewährt werden.

Ein Ausweg aus der Armut. Dies würde den Bauern in den Entwicklungsländern helfen. Darüberhinaus hätte diese Politik auch positive Auswirkungen auf die Umwelt, da weniger intensiv angebaut würde. Die Zuckerproduktion könnte ein Schlüsselfaktor bei der Entwicklung der ärmeren Länder sein. Der Oxfam Bericht nennt das Beispiel der Sofala Provinz im Norden Mozambiques, wo sich die Zahl der Arbeitnehmer seit der Wiedereröffnung von zwei Zuckerfabriken im Jahre 1998 verdoppelt hat. In wenigen Jahren hat sich diese Provinz, die eine der ärmsten war, in eine der reichsten verwandelt.

Beendet das Dumping! Deswegen fordert Transfair Minka EU-Agrarreformen, die das Dumping beenden und den Bauern des Südens Zugang zum europäischen Markt gewähren. Transfair Minka, welche die peruanischen Zuckerbauern unterstützt, fordert auch dass die ACP-Länder (Afrika, Karibik, Pazifik), die die wahrscheinlichen Verlierer einer derartigen Reform wären Ausgleichszahlungen erhalten.

Luxemburg beispielhaft

Seit der Gründung im Jahre 1992, hat Transfair Minka den Vertrieb von FairTrade Produkten enorm ausgebaut. Und die Arbeit lohnt sich, denn der Kauf von fair gehandelten Waren hat stark zugenommen. Gaben 2002 noch 15 % der Befragten an, regelmässig fair einzukaufen, so waren es 2008 bereits 40 % (darunter 23 % sogar mit der Angabe, dies "fast immer" zu tun). Dies ergab eine im Herbst 2008 veröffentlichte TNS-ILRES-Umfrage. Luxemburg steht weltweit auf einer der ersten Ränge im Pro-Kopf-Verbrauch von fair gehandelten Waren. Diese guten Ergebnisse sind sicher auch auf die intensive Sensibilisierungsarbeit von Transfair Minka beim Einzelhandel, wie Cactus oder die Drëtt Welt Butteker, zurückzuführen.

Eine originelle Initiative für einen Fussball

Ausser Lebensmitteln hat Transfair Minka 2007 auch den Vertrieb von Baumwolle und (schon 2004) eines besonderen Fussballs in Luxemburg eingeführt. Während die Mehrzahl der in der Welt verkauften Fussbälle von Kindern hergestellt werden, wurde der von Transfair Minka vertriebene Fussball von Erwachsenen in Pakistan produziert, die gute Arbeitsbedingungen und ein menschenwürdigen Einkommen haben. Diese Einkommen ermöglichen den Menschen Zugang zu Mikrokrediten, welche ihnen die Selbständigkeit, z.B. als Handwerker, ermöglichen. Die Kampagne wurde 2017 erweitert, indem ein Ball in den Farben Luxemburgs auf den Markt gebracht wurde. Mehr dazu hier

Fotos: Deciderio Lozano Rios – Kaffeeproduzent von Oro Verde in Peru (oben) ; Die Direktorin von Fairtrade Lëtzebuerg, Geneviève Krol, im Oktober 2016 – mit Fortin Bley, einem KKakaoproduzenten aus der Elfenbeinküste (unten).

Artikel vom 17. Oktober 2006, letzte Aktualisierung am 28. März 2017