Investition in den LMDF

, von Ekkehart Schmidt

etika investiert 200.000 Euro in den Luxembourg Microfinance and Development Fund (LMDF) – einem innovativen Produkt von öffentlicher Hand und privatem Kapital

Spätestens seit die Vereinten Nationen das Jahr 2005 zum Internationalen Jahr des Mikrokredits erklärten, ist bekannt, welche wesentliche Rolle die Mikrofinanz zur Verbesserung der prekären Situation armer Haushalte spielen kann. Mikrofinanz bietet jedoch nicht nur Kleinstkredite, sondern auch Sparmöglichkeiten und Versicherungen mit dem Ziel, armen Familien Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Insbesondere in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann dies eine wesentliche Hilfe sein, die Unsicherheiten im Leben einer armen Familie deutlich zu reduzieren. Die Microcredit Summit Campaign zählte im Jahr 2007 etwa 100 Millionen Haushalte mit Zugang zu Mikrofinanzprodukten. 83% der Kunden waren Frauen. Für 2015 hat man die Zielmarke von 175 Millionen Haushalten gesetzt. Gleichzeitig bleiben etwa 2,5 Milliarden Erwachsene, also etwa die Hälfte aller erwachsenen Menschen, ohne Zugang zu traditionellen Finanzdienstleistungen, schätzte die Financial Access Initiative 2009.

Die Luxemburger Regierung hat sich zusammen mit Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit - wie Appui au Développement Autonome (ADA) und SOS Faim - sowie dem Finanzplatz seit einigen Jahren der Förderung der Mikrofinanz verschrieben. Mit Erfolg: Luxemburg zählt heute zu den global wichtigen Akteuren in diesem Bereich. Aus dieser Erfahrung heraus ist ein in vielerlei Hinsicht ungewöhnliches Produkt entwickelt worden, das im März diesen Jahres vorgestellt worden ist: Der „Luxembourg Microfinance and Development Fund“ (LMDF).

Das Ziel dieses vom Luxemburger Staat und ADA entwickelten Investmentpapiers ist zum einen die Unterstützung bestimmter lokaler Anbieter von angepassten finanziellen Dienstleistungen, um damit einen Beitrag zur Armutsminderung in Entwicklungsländern in Afrika, Asien und Lateinamerika zu leisten. Zum anderen strebt der Fonds eine Rendite an, die mindestens der Inflationsrate entspricht, um das eingesetzte Kapital der Investoren zu erhalten – eine vergleichsweise bescheidene, dafür verantwortungsvolle Zielsetzung.

Das besondere an der Konstruktion des LMDF ist mit Blick auf die Anleger, dass drei Anlegerklassen A, B und C unterschieden werden, wobei die Hauptrisiken der privaten Anleger durch den Luxemburger Staat und ADA getragen werden. Mit Blick auf die Investitionen ist bemerkenswert, dass mit den Geldern des LMDF ausdrücklich diejenigen Mikrofinanzinstitutionen unterstützt werden, die nur einen begrenzten Zugang zu internationalen Geldgebern haben. Beide Konstruktionen bedürfen einer Erläuterung.

Ein Fonds mit starker sozialer Ausrichtung


Schauen wir zunächst auf die Investitionsziele: Die Verantwortlichen des LMDF definieren Mikrofinanz als die Bereitstellung von zuverlässigen, fairen und angepassten Finanzprodukten an Menschen, die keinen Zugang zum traditionellen Finanzsektor haben. Die Anbieter dieser Finanzdienstleistungen werden als Mikrofinanzinstitutionen (MFI) bezeichnet. Neben Sparprodukten und Versicherungen sind Mikrokredite das typische Produkt dieser Institutionen. Mit einer durchschnittlichen Höhe von $ 360 in Afrika bis $ 675 in Lateinamerika (gemäß Microbanking Bulletin Dez. 2009) sind sie ein Instrument der Hilfe zur Selbsthilfe. Eine arme, aber unternehmerische Person kann damit innerhalb des informellen Sektors oder in der Landwirtschaft eine Idee verwirklichen. Die Kredite werden oft dafür verwendet, Arbeitskapital oder kleinere Investitionsprojekte zu finanzieren.

Soweit die Theorie. „Die Kreditvergabe an einen Kreditnehmer der über keine oder nur eine begrenzte Kredithistorie und keine Sicherheiten verfügt kann jedoch nur durch innovative Ansätze verwirklicht werden“, erklärt LMDF-Geschäftsführer Kaspar Wansleben. „Eine dieser Innovationen war die Gründung von Selbsthilfegruppen, die gleichzeitig kollektiv für die Rückzahlung der Kreditsummen verantwortlich sind“, erläutert er. Das führe meist zu sehr geringen Ausfällen. Ein anderer Ansatz seien Mikrokredite an Einzelpersonen, bei denen meist ein Vermögensgegenstand als Sicherheit verpfändet werde. Dieser sei oft das Investitionsgut, das mit Hilfe des Kredits erworben wird.

Wie investiert nun der LMDF in die Mikrofinanz? Der Fonds bietet keine Mikrokredite oder andere Finanz-Dienstleistungen direkt für arme Bevölkerungsteile an, sondern arbeitet mit lokal verankerten MFI zusammen, die ihrerseits angepasste Finanz-Dienstleistungen anbieten. Ihnen bietet der LMDF Kredite, Eigenkapital und Garantien zur Refinanzierung ihres Kreditportfolios oder anderer Produkte an. Garantien werden zugunsten einer Bank im jeweiligen Entwicklungsland begeben, welche ihrerseits einen Kredit, meist in lokaler Währung, an die MFI vergibt.

Im derzeitigen Mikrofinanzboom sind kommerziell orientierte Mikrofinanzfonds stark gewachsen. Diese Fonds investieren meist in die am meisten entwickelten Mikrofinanzinstitutionen (so genannte Typ 1-MFIs). Der LMDF, als ein Fonds mit starker sozialer Ausrichtung, unterstützt dagegen vor allem die MFIs ohne oder nur mit begrenztem Zugang zu internationalen Geldgebern. Diese so genannten Typ 2- und Typ 3-MFIs wachsen oft sehr schnell und benötigen für eine nachhaltig gesunde Entwicklung Unterstützung. „Insbesondere benötigen sie eine ausreichende Kapitalausstattung“, so Kaspar Wansleben. „Damit füllen wir eine Lücke eines sonst nicht bestehenden Angebotes“.

Die Zusammenarbeit mit diesen MFIs bringt freilich eine Reihe von besonderen Herausforderungen mit sich, erläuterte Marc Elvinger, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates: „Kleinere Institutionen brauchen einen verlässlichen Rahmen, in dem sie sich entwickeln können. Wir sind der Auffassung, dass eine Finanzierung mit einer Laufzeit von weniger als drei Jahren der Institution nicht genügend Raum gibt, sich auf wesentliche Themen wie die Weiterentwicklung von Produkten oder die Ausbildung der Angestellten zu konzentrieren. Wir wollen unsere Partner daher mit Laufzeiten bis zu sieben Jahren finanzieren.“

Für die richtige Auswahl ist ADA als Anlageberater engagiert worden. Die NGO verfügt über langjährige Erfahrung als Investor in Mikrofinanzinstitutionen. Betont wurde, dass niemals eine Kontrolle einer MFI angestrebt wird. Die besondere Zielsetzung des LMDF „bringt es mit sich, dass wir uns besonders in den Ländern engagieren, die in der Mikrofinanzwelt weniger prominent sind“, betont Kaspar Wansleben. „Zudem sehen wir erhebliches Potential in der Finanzierung von Aktivitäten jenseits der Mikrokredite, zum Beispiel Mikro-Versicherungen oder Mikro-Leasing.“

„Anlageziel ist nicht die Rendite, sondern die soziale Wirkung“


Schauen wir nun auf die besondere Anlagekonstruktion mit den drei Anlegerklassen A, B und C. Die Aktionäre der Klasse C des Fonds, welche Privatanlegern und gemeinnützigen Organisationen vorbehalten ist, erhalten eine Absicherung des Kreditrisikos (des Risikos, dass ein MFI seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommt) durch die Aktienklasse A (Luxemburger Außenministerium und ADA). Die Privatanleger profitieren dabei von einem Verlustausgleich durch die Aktienklasse A. Länder-, Währungs-, Liquiditäts-, Bewertungs- und operationelle Risiken sind jedoch von diesem Ausgleich ausgenommen und stellen Risiken des Anlegers dar. In die diesbezüglich neutrale Aktienklasse B haben das Finanzministerium, institutionelle Anbieter wie Banken und etika erhebliche Summen investiert (allein etika hat 200.000 Euro investiert). Vom anvisierten Zielvolumen von 25 Millionen EUR sind gut 20 Millionen bereits gezeichnet.

Bei der Präsentation des Fonds im Außenministerium wurde betont, dass sich Anleger der Klasse C für Mikrofinanz als Entwicklungsinstrument interessieren und die doppelte Zielsetzung der sozialen und finanziellen Rendite unterstützen sollten. Sie sollten sich bewusst sein, dass der LNDF eine langfristige Anlage darstellt und die Rendite niedriger ausfallen kann als bei rein renditeorientierten Anlagemöglichkeiten. „Nicht die Rendite, sondern die soziale Wirkung ist Anlageziel“, betont Marc Elvinger. „Das rendement ist nur Mittel zum Zweck“. Die soziale Rendite sei freilich nur schwierig quantifizierbar. LMDF werde jedoch regelmäßig über die Mikrofinanzinstitutionen sowie die Auswirkungen auf die Kunden dieser Institutionen berichten.

Der Erstausgabepreis lag bei 100 EUR pro Aktie. Depotbank des LMDF ist die Banque et Caisse d’Epargne de l’Etat.

Vertrieben werden Fondsanteile von vielen Banken in Luxemburg. Alternativ kann auch direkt über die Zentralstelle des Fonds (siehe Kontakt) gezeichnet werden. Gezeichnet werden konnte vierteljährlich (zum 30. Juni und 30. September 2010).

Der erste Halbjahresbericht ist Ende März 2010 erschienen (klicken Sie auf das obere Bild, um das Dokument zu lesen). Der erste Jahresbericht erschien am 31. März 2011. Lesen Sie die jüngsten Jahresberichte von 2015 und 2016, indem Sie auf die Bilder links klicken). Mitte Januar 2017 erschien ferner ein Factsheet für die Klasse C (klicken Sie auf das unterste Bild). Weitere Materialien können per mail-Anfrage (s. Adresse unten) bestellt werden.

Kontakt:

Société d’Investissement à Capital Variable, Kaspar Wansleben, 2, place de Metz, L-1930 Luxembourg, T.: +352 27 47 35, F.: +352 27 47 35 72, info@lmdf.lu, www.lmdf.lu

Mehr Infos hier. Lesen sie den Newsletter vom Herbst 2014 hier und einen Artikel im Paperjam vom 29. Oktober 2014 hier.

Die Fotos zeigen die Beraterin Halamata Ouedraogo, die für eine MFI in Burkina Faso arbeitet (oben) und eine Beratungssituation mit einer lokalen Frauengruppe (Fotos: ADA/ Guy Wolff)

Artikel vom 20. Mai 2010, letzte Aktualisierung am 20. Januar 2017