OEKimmO S.A. - OIKOPOLIS-Projekt

, von Jean-Sébastien Zippert

Seit Herbst 2006 steht in Munsbach das erste Einkaufszentrum in Luxemburg, in dem alle Geschäfte ausschlieβlich Bio-Produkte anbieten. Auf einer Gesamtfläche von knapp 1.000 qm finden die Kunden zwei groβflächige Läden (Naturata und Akzent bzw. heute Biobau) sowie ein Bio-Restaurant vor.

Das Einkaufszentrum befindet sich im Parc d’Activité Syrdall bei Munsbach in einem Bau namens OIKOPOLIS II. Es ist eins von zwei Gebäuden mit einer sehr auffälligen Architektur. Der Name OIKOPOLIS bezieht sich auf einen Standort, an dem alle Wertschöpfungsstufen zusammengeführt werden: vom Produzenten, Weiterverarbeiter, Verpacker (BIOG-Bio-Bauere Genossenschaft ) über den Groβhandel (BIOGROS), den Einzelhandel (NATURATA) und Dienstleister (Restaurant) bis hin zum Kunden. Natürlich steht hier - auch wenn der Name „polis“ das suggeriert - keine ganze Stadt. Wohl aber ein sehr moderner Gebäudekomplex, der - von der Energieversorgung bis zur Abfallentsorgung - streng nach ökologischen Kriterien errichtet wurde.

Ein Rundgang

Bereits seit 2001 steht hier das Gebäude OIKOPOLIS I (auf dem Foto links) mit einer Gesamtfläche von ca.1.700 qm. Mit der Eröffnung des Einkaufszentrums (OIKOPOLIS II, auf dem Foto rechts) erhöhte sich die Gesamtfläche von OIKOPOLIS auf insgesamt mehr als 2.500 qm. Durch die sehr positive Entwicklung der Bio-Branche in den vergangenen Jahren, waren die Räumlichkeiten schon nach wenigen Jahren zu klein geworden, sagt Anne Jacoby, während sie den Besucher durch den Gebäudekomplex führt, dessen Bau von etika finanziert wurde (siehe unten). Daher wurde schon mehrfach umgebaut, auch jetzt im Frühjahr 2009 wieder.

Die OIKOPOLIS-Mitarbeiterin beginnt den Rundgang in den BIOGROS-Kühlräumen des ersten Gebäudes. Hier werden Obst, Gemüse und Milchprodukte zwischengelagert, ehe sie an die Naturata- und Cactus-Supermärkte sowie andere Einzelhändler geliefert wird. Nebenan und in den ehemaligen Räumen des 2006 ins Nachbargebäude umgezogenen Naturata-Geschäfts, wird Gemüse verpackt. Beim Kauf von zweier dieser Maschinen hat BIOGROS einen alternativen Kredit von etika in Anspruch genommen (weitere Infos).

„Im Herbst fliesst hier der Apfelsaft“, sagt Anne Jacoby und weist den Besucher auf ein Rohrleitungssystem an der Wand des Gebäudes hin. Es führt von einem unscheinbaren roten Gebäude im OIKOPOLIS-Innenhof in eine weitere Halle. Hier befinden sich die Anlagen von AEPPELHAUS, in denen im Spätsommer frischer Apfelsaft gekeltert und in Flaschen abgefüllt wird. Am roten Gebäude, in dessen Inneren sich die AEPPELHAUS-Saftpressen befinden, herrscht reger Betrieb herrschen, wenn die Apfelbauern ihre Ernte abliefern. Die Maische, das Abfallprodukt der Pressung, wird - gemeinsam mit den an den BIOGROS-Verpackungsanlagen anfallenden Abfällen - an eine Biogasanlage geliefert. Die Biomasse wird dort zur Energieerzeugung genutzt.

Wir überqueren nun den Hof und gehen zum Haupteingang des Einkaufszentrums OIKOPOLIS II. Die meisten Kunden nutzen freilich die Tiefgarage und fahren von dort bequem per Aufzug nach oben, erklärt Anne Jacoby. Der Hauptanziehungspunkt ist hier im Erdgeschoss - mit einer Verkaufsfläche von 550 qm - ein NATURATA-Supermarkt, der neben Lebensmitteln auch eine grosse Kosmetikabteilung bietet. Nach dem Lebens- mitteleinkauf kann man im Obergeschoss bei Biobau (ehedem „Akzent“) auf 230 qm weiter bummeln gehen: Im warm und freundlich eingerichteten Geschäft findet sich eine breite Auswahl an Naturtextilien, Baumaterialien, Farben und Geschenkartikeln.

Auch das ebenfalls zu NATURATA gehörende Bio-Restaurant bietet in einem Gastraum mit 80 Plätzen sowie 30 Plätzen auf der Terrasse ein angenehmes Ambiente mit Panoramablick in das Tal der Syr. Im Angebot sind sowohl vegetarische Gerichte, als auch solche mit Fleisch und Fisch. Alle Speisen sind Produkte der biologischen Landwirtschaft und - soweit möglich - des fairen Handels. Auch Angestellte anderer Betriebe des Parc d’Activité Syrdall nutzen diese Alternative zum konventionellen Kantinenessen.

Der Rundgang endet im ersten und zweiten Stock von OIKOPOLIS I. Hier befinden sich die Büroräume von BIOGROS, BIOG, NATURATA und Bio-Berodung, der Bio-Vereine Demeter und BioLABEL, sowie von OIKO-Consulting, OEKimmO und OEKOTEC. Während der Name OIKOPOLIS 2001 zunächst nur für den Standort insgesamt verwendet wurde, das heisst für die Besonderheit, eine Vielzahl von Betrieben der Wertschöpfungskette unter einem Dach zu vereinen, hat sich der Name inzwischen zu einer umfassenden Bezeichnung entwickelt. Er schliesst nun alle in der Gruppe aktiven Betriebe mit ein.

Zur Finanzierung der Gebäude

Die Gesamtinvestitionssumme betrug rund 4,2 Millionen Euro, von denen wiederum 1,5 Million Euro durch etika gefördert wurden. Dies war damals die maximale Summe, die etika mit einer Zinsvergütung einem einzelnen Projekt zukommen lässt. Der Investitionskredit für den Bau wurde zunächst ausgezahlt in zwei Tranchen über je 247.893 Euro (Nov. 1999) und zwei Tranchen über je 500.000 Euro im März 2006, sowie 290.000 Euro für die Erweiterung des Gebäudes im Dezember 2008. Die Laufzeiten der Kredite betrugen 15 bzw. 10 Jahre.

Aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung benötigt BIOGROS dringend weitere Lager- und Büroräume. Die Immobilière OEKimmO S.A. hat daher bei etika am 5. Dezember 2008 einen weiteren Investitionskredit in Höhe von 290.000 Euro beantragt und erhalten (Gesamtinvestitionssumme: 400.000 Euro), um die früheren provisorischen NATURATA-Geschäftsräume in Büroräume umzuwandeln. Die Laufzeit des Kredits beträgt zehn Jahre. Die Gesamtinvestitionssumme am Standort OIKOPOLIS beträgt mittlerweile rund 4,2 Millionen Euro, von denen wiederum 1 Million Euro durch etika gefördert wird.

Lesen Sie hier ein Interview mit Roland Majerus zur Gründungsgeschichte von NATURATA, BIOG, BIOGROS und OIKOPOLIS.

Sehen Sie hier einen aktuellen Film über das OIKOPOLIS:

Die OIKOPOLIS Participations SA

Bedingt durch den recht schnellen Aufbau der Betriebe wurden in den 1990er-Jahren immer wieder Bankkredite zur Finanzierung anstehender Projekte aufgenommen. Um derartige Darlehen zu bekommen, benötigt man aber in der Regel einen beachtlichen Teil an Eigenkapital. Weil die Gewinne der Betriebe in den Anfangsjahren äußerst bescheiden waren, konnte dieses Eigenkapital aber nicht über Rücklagen gebildet werden. Ein wichtiger Aspekt der Finanzierung war deshalb die systematische Beteiligung der Kundinnen und Kunden.

Ende der 1990er-Jahre wurde erstmals eine öffentliche Zeichnung von Kapital vorgenommen, um den ersten Bauabschnitt des OIKOPOLIS-Zentrums in Munsbach zu finanzieren. Eine zweite öffentliche Zeichnung fand 2006 statt, um die Mittel für das zweite OIKOPOLIS-Gebäude zusammenzubekommen. 2013 wurden weitere Anteile öffentlich zur Zeichnung angeboten, um den weiteren Ausbau des OIKOPOLIS-Netzwerks mitzufinanzieren.

Schon 2005 hatte man mit Gründung der OIKOPOLIS Participations SA ein Instrument geschaffen, über das solche Eigenmittelbeschaffungen strukturell einfach möglich sind. Beide letztgenannten öffentlichen Zeichnungen wurden über diese Beteiligungsgesellschaft durchgeführt. Ob Kunde, Landwirt oder Mitarbeiter - jeder konnte und kann sich bis heute über den Kauf von Aktien an dieser Gesellschaft beteiligen. So kann jeder Interessierte zum Miteigentümer fast aller Betriebe der Unternehmensgruppe werden.

Im Juli 2015 hat OIKOPOLIS Participations von etika und der BCEE einen Investitionskredit in Höhe von 752.000 Euro zur Unterstützung des pädagogischen Bio-Hofs KassHaff SARL erhalten (Laufzeit: 10 Jahre).

Kontakt:
Änder Schanck, 13, Parc d’Activité Syrdall, L-5365 Munsbach, Tel. 26151910

Artikel vom 17. Oktober 2006, letzte Aktualisierung am 12. Dezember 2016