Restaurierung der Steckenmühle

, von Jean-Sébastien Zippert

22 Wassermühlen gab es einst im Syrtal. Heute sind lediglich noch einige wenige erhalten geblieben. Neben der Fielsmillen ist vor allem die "Steekemillen" oder Steckenmühle zu nennen.

Gelegen am Ortsausgang von Manternach in Richtung Mertert, war ab 1778 erbaute Steekemillen ein halbes Jahrhundert nicht mehr in Betrieb. Die auf Veranlassung des Schlossherrn Baron d’Arnould et de Soleuvre aus Berburg gebaute Mühle profitierte nicht nur vom Wasser der Syr, sondern auch von der "Wulebertsbaach". Zur Mühle gehörten auch größere Weinberge, daher rührt auch ihr Name: Die "Steeken" stehen für die "Wangerts- steeken" (Weinbergspfähle). 1925 wurde in der Mühle das letzte Mal Getreide gemahlen, bis 1965 noch Viehfutter. Dann stellte man auf Turbinen zur Energiegewinnung um.

Mitte der 1990er-Jahre erbte die Familie Zimmer den Gebäudekomplex und entschied sich zu einer Sanierung.

Neben der Renovierung des Haupthauses und der Einrichtung von Ferienwohnungen für 20 Gäste (tourisme rural, s. Foto unten) wurde auch eine abgebrannte Scheune zu einem Festsaal umgebaut.

Im Mai 1998 erhielten die Inhaber einen Kredit von etika und der Spuerkeess zur Restaurierung der eigentlichen Wassermühle, um einerseits erneuerbare Energie zu gewinnen und andererseits das kulturelle Erbe zu erhalten. Der Kredit in Höhe von 198.315 Euro hatte eine Laufzeit von zehn Jahren.

Heute produziert die Anlage durchschnittlich etwa 220.000 kwh pro Jahr (10,5 kw/Std). Ein kleiner Kanal führt Wasser von der Syr und der Wuelbertsbaach in den Hof der Anlage, wo es nach Reinigung mit einem motorisierten Rechen in ein gut 5 m tiefes Becken (mittleres Foto) und jenseits des Hauses durch eine unterirdische Turbinenanlage geleitet wird. Der hier gewonnene Strom wird in das allgemeine Stromnetz eingespeist.

Bei einem Besuch im Rahmen einer Vélotour von etika und Vélosophie 2010 äußerte sich die Inhaberfamilie zufrieden mit dem Ergebnis der Sanierung. Kritisch angemerkt wurde jedoch, daß der heute für Wasserkraft gezahlte Strompreis von nur noch 3 - 4 Cent/kwh kaum noch rentabel ist. Zwar sei die damalige staatliche Förderung erneuerbarer Energie- erzeugung positiv, aber schon der Bau einer gut 800 m weiten Leitung zum nächsten Traffo war damals für 1 Million Franken selbst zu erstellen.

Seit 2004 bewirtschaftet der Betrieb seine bestehenden Flächen im Naturschutzgebiet Manternacher Fiels in extensiver Weise mit Angus Rindern, deren Fleisch über die Metzgerei Berg-Koenig in Luxemburg-Stadt vermarktet wird.

Verwendete Quellen: SMH: Die Stecken einer Weinbergsmühle, Luxemburger Wort, 19.03.2015; Mehr Infos finden sich hier.

Kontakt:
Marcel Zimmer, 30, Syrdallstrooss, L-6850 Manternach, Tel. 71 01 81

Artikel vom 18. Oktober 2006, zuletzt aktualisiert am 2. April 2015