Vorpremiere Let’s make money (07.04.09)

, von Jean-Sébastien Zippert

Am 7. April 2009 hat etika – gemeinsam mit den Kooperationspartnern
Amis du Monde diplomatique Luxembourg, ASTM, ATTAC Luxemburg, CarréRotondes, Cercle des ONGD, Co-labor, Commission luxembourgeoise "Justice et Paix", Demeter Bond, Fondation Caritas, Fondation Ökofonds, Haus vun der Natur, l’Institut Européen de l’Economie Solidaire (INEES), Justice et Paix, OGB-L, Transfair Minka, Transform Luxembourg und RTL Luxembourg - zur Vorpremiere des Dokumentarfilms Let’s make money in das UTOPIA-Kino eingeladen. In einer anschliessenden Pressekonferenz wurden Lösungsmöglichkeiten zur Vermeidung künftiger Krisen vorgestellt.

Nach We feed the world, einem Dokumentarfilm über die Auswüchse der Agroindustrie, attackiert der österreichische Regisseur Erwin Wagenhofer die finanzielle Globalisierung, indem er sich die Nord-Süd-Geldströme genauer anschaut. Gefilmt und geschnitten vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Oktober 2008, zeigt er in 107 Minuten die brutale Realität eines Systems, das zu Lasten einer Berücksichtigung wahrer menschlicher Bedürfnisse die Spekulation und Kurzfristigkeit von Investments bevorzugt.

Die (ausverkaufte) Luxemburger Erstvorführung wurde begleitet von einer Debatte zu Fragen der internationalen Finanz mit Gaspard Denis, dem Forschungsbeauftragten des Centre National de Coopération au Développement in Belgien.





Die Vorpremiere bescherte UTOPIA ein „Full house“; zur Debatte (unser Foto) hatten sich die Reihen nach 110 Minuten Film jedoch schon gelichtet

Der Dokumentarfilm ist in Österreich und Deutschland bereits mit großem Erfolg – finanziell und bei der Kritik - angelaufen. Etika und die beteiligten Partner, aber auch viele Zuschauer der Premiere, wünschen dem Film auch und gerade in Luxemburg Erfolg.

„Wenn es einen Film gibt, der eine Revolution auslösen könnte, dann ist es dieser!“,
CINEMA

"Spannend wie ein Wirtschaftsthriller - Ein Pflichttermin"
KulturSPIEGEL

"110 fesselnde Minuten... knallhart auf den Punkt gebracht".
Financial Times Deutschland

"Wie vermehrt die westliche Elite ihr Geld auf Kosten der Wehrlosen in den Entwicklungsländern? Messerscharfe Analyse des heutigen Finanzsystems",
woxx

Weitere Informationen über den Film:

www.letsmakemoney.at und
www.letsmakemoney.de

Im Anschluss an die Vorpremiere fand am 8. April eine Pressekonferenz statt, auf der Gaspar Denis (CNCD) und Jean-Sébastien Zippert ein gemeinsames Papier mit Vorschlägen für Lösungsmöglichkeiten präsentierten, mit denen künftige Finanzkrisen verhindert werden können. Das Papier wurde von elf weiteren Luxemburger Organisationen unterschrieben. Den genauen Wortlaut finden Sie unten.

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Krisenbewältigung durch Generalisierung der Prinzipien von Verantwortung und Transparenz


Im Anschluss an die Vorpremiere des Dokumentarfilms „Let’s make money“, der in unverblümter Weise die dunkelsten Seiten der Globalisierung der Finanzmärkte beschreibt, haben etika – die Initiativ fir Alternativ Finanzéierung – und das belgische Centre national de coopération au développement (CNCD) Lösungsmöglichkeiten zur Vermeidung künftiger Krisen diskutiert.

Wir sind weit davon entfernt, die Folgen der Krise abschätzen zu können. Aber dieses Debakel gibt Anlass, sich in der öffentlichen Debatte einige fundamentale Fragen zur eigentlichen Zielsetzung vieler Finanzinstrumente zu stellen. Wie der Film Let’s make money aufzeigt, sind die unregulierten Finanzmärkte in so hohem Masse kurzfristig orientiert, dass sich schon vor Ausbruch der Subprime-Krise in den USA im Jahr 2007 nachweisen ließ, wie wenig sie eigentlichen menschlichen Bedürfnissen entsprechen Mohamed Yunus, Friedensnobelpreisträger von 2007, erinnert daran, dass es sich hierbei „nicht um die einzige aktuelle Krise handelt“, wohl aber um eine zusätzliche Zerreißprobe, die zur Nahrungsmittel-, Energie- und Klimakrise hinzukommt. Wenngleich diese in den Medien etwas in den Hintergrund getreten sind, treffen sie doch die verwundbarsten Gruppen der Weltbevölkerung weiterhin hart. Nach Auffassung des emblematischen Begründers der modernen Mikrofinanz haben "alle diese Krisen eine gemeinsame Ursache, entstanden sie doch durch strukturelle Verwerfungen unseres Systems, […] Unsere aktuelle Wirtschaftsordnung richtet sich sehr einseitig nach einer Maximierung der Profite aus".

Akteure der Entwicklungszusammenarbeit und der sozial-ökologischen Banken arbeiten seit langem an Lösungsmöglichkeiten. Wie alle Akteure der Sozialfinanz weltweit, setzt sich etika dieser Tage verstärkt dafür ein, dass die Sozialfinanz nicht das Privileg eines kleinen „erleuchteten“ Clubs von Investoren bleibt, sondern dass ihre Prinzipien im Norden wie im Süden konsequent breiter umgesetzt und weiter entwickelt werden. Wir sind fest davon überzeugt, dass sich die Regierungen der mächtigsten Staaten wieder auf ihr Vorrecht besinnen müssen, die Marktwirtschaft in den Dienst der Menschheit zu stellen.

Daher sind wir der Auffassung, dass sich die öffentliche Hand für eine Reintegration der Prinzipien der Verantwortlichkeit und der Transparenz einsetzen muss – den Kerngedanken der Sozialfinanz. Diejenigen Länder, die über einen wichtigen Finanzplatz verfügen, sollten sich daher über folgende Punkte abstimmen:

1. Die Banken anregen, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren: die Kompetenz, Investoren und Unternehmer so in Verbindung zu bringen, dass langfristige und nachhaltige Finanzierungen möglich werden. Es geht darum, sich auf die Schaffung von Mehrwerten zu konzentrieren, die menschlichen Bedürfnissen entsprechen, also zusätzlich zur Schaffung finanzieller Werte auch soziale und ökologische Rendite zu erzeugen. Banken können dazu konkret angeregt werden, indem sie zum einen zu einer strikten Trennung einzelner Geschäftsbereiche verpflichtet werden und zum anderen Unternehmen, die sich nachweislich sozial und ökologisch verantwortungsvoll zeigen, der Zugang zu zinsreduzierten Krediten erleichtert wird;

2. Bestrafung von Investments, die lediglich kurzfristiger und spekulativer Natur sind: Angemessen wäre eine progressive Besteuerung spekulativer Kapitalbewegungen in der Weise, dass sie an finanzieller Rentabilität verlieren. Dieser Gedanke liegt der Tobin-Spahn-Steuer auf Devisenmärkten zugrunde, die vom belgischen Parlament im Jahr 2004 empfohlen wurde. Sie könnte umgesetzt werden, falls die anderen EU-Staaten sie übernehmen Dieses Instrument würde Spekulanten daran hindern, sich zu Lasten der Allgemeinheit zu bereichern, wie es Georges Soros gelang, der 1992 die Bank von England dazu brachte, aus dem europäischen Geldsystem auszuscheren;

3. Einführung von Verschuldungsgrenzen für Finanzinstitutionen – inklusive spekulative und Private Equity Fonds– so dass die Konsequenzen eines Zusammenbruchs bzw. Konkurses sich nicht mehr zu einer Gefahr für die nationale oder globale Ökonomie entwickeln können. Es sei daran erinnert, dass man nicht bis zum Jahr 2009 warten musste, um eine solche Situation zu erleben: Der Beinahe-Zusammenbruch des spekulativen amerikanischen Fonds LTCM hätte für sich alleine 1998 eine Finanzkrise auslösen können, hätte die US-Notenbank ihm nicht in höchster Not unter die Arme gegriffen. Die Steuerzahler sollten in Zukunft nicht mehr für Fehler bezahlen müssen, die sie nicht verschuldet haben;

4. Den Banken ist zu verbieten Geldströme zu akzeptieren, die aus einer Steuerflucht stammen: Ein Finanzwesen mit einem sozialen Ziel ist nicht mit Praktiken des Fiskaldumpings kompatibel;

5. Analyse- und Ratingagenturen sind in gleicher Weise unter öffentliche Aufsicht zu stellen wie Clearinggesellschaften (Clearstream und Euroclear) und die SWIFT, da alle Geldströme der Globalfinanz über diese drei Einrichtungen abgewickelt werden. Dies böte die Möglichkeit, alle globalen Finanzbewegungen zu verfolgen.

Lesen Sie hier Artikel zu den Vorschlägen (la voix, 09.04.09 und Wort, 10.04.09)

Diese Maßnahmen lassen sich alle technisch umsetzen. Was bislang fehlt, ist der entschiedene und abgestimmte politische Wille der Länder, die bedeutende Finanzplätze beherbergen. Die Krise, die wir zurzeit durchleben, ermöglicht uns, ein Fenster zu öffnen: Wie Mohamed Yunus bekräftigt, kann aus der „tiefsten aller Krisen“ die „beste aller Chancen“ erwachsen. „Solange die Dinge einigermaßen funktionieren möchte niemand etwas verändern, aber nun, wo es nicht mehr funktioniert, ist der richtige Moment“, das System zu reformieren. Etika und das CNCD setzen ihre Arbeit mit europäischen und globalen Netzwerken fort, damit diese Vorschläge in demokratischer Weise debattiert und kontinuierlich umgesetzt werden. So werden diese Fragen auch auf der Tagesordnung der International Investors on Social Economy (INAISE) stehen, die vom 22. bis 25. April im Rahmen der Internationalen Forums Lux 09 in Schifflange stattfindet.

Dieser Text wird unterstützt von: les Amis du Monde diplomatique Luxembourg, l’ASTM, ATTAC Luxembourg, le Cercle des ONGD, Co-labor, Commission luxembourgeoise "Justice et Paix", Demeter Bond, Fondation Caritas, Fondation Ökofonds, Haus vun der Natur, l’Institut Européen de l’Economie Solidaire (INEES) und Transfair Minka.


























Pressekonferenz mit Gaspard Denis/ CNCD (li.) und Jean-Sébastien Zippert/ etika (re.)