Cohousing Bouneweg

, von Ekkehart Schmidt

In Bonnevoie wird ein neues Wohngebäude gebaut, bei dem ein innovatives Konzept - das "Cohousing" - erstmals in Luxemburg erprobt wird. Dieses Projekt eines gemeinschaftlichen Hausbaus ist innovativ und ein Pilotprojekt: Es ist der erste partizipative Wohnungsbau im Land, also eine neue Art, das Wohnungsproblem anzugehen, aber auch ein Bau auf dem neuesten Stand der energetischen/ökologischen Innovation (LENOZ-Zertifizierung).

Das Ziel dieses Projektes ist der Bau eines Wohnhauses für drei Familien. Das Gebäude besteht aus drei Wohnungen (Etagen 1 bis 3, eine pro Familie) und einem Erdgeschoss mit drei multifunktionalen Räumen (siehe eine 3D-Simulation des fertigen Gebäudes rechts). Einer dieser Räume wird zunächst an einen lokalen sozial-kulturellen Verein vermietet, ein anderer wird als Arbeitsraum für die ansässigen Musiker dienen.

Cindy, Claude, Engy, Hany und Victor - Künstler, Musiker, Architekten und Ärzte - werden mit ihren vier Kindern in einem Gebäude in der 41 rue Edouard Grenier wohnen. In ihrem Motivationsschreiben für die Beantragung eines zinsgünstigen Darlehens von Spuerkeess und etika heißt es: "Wir möchten ein sozial integratives und freundliches Umfeld schaffen, das eine soziale Öffnung zur Nachbarschaft ermöglicht".

Und das ist nicht nur ein Satz, sondern eine ganze Philosophie: "Wir wollen in einem sozial inklusiven und freundlichen Umfeld leben, in dem wir unsere Nachbarn kennen und mit ihnen umgehen. Als Gründungsmitglieder der Plattform "Ad-Hoc" setzen wir uns seit Jahren für eine andere Form des Wohnens ein. Unser Ziel ist es, Wohnraum zu haben, der sich nach unseren Bedürfnissen entwickelt, sowie Verbindungen mit den Bewohnern, Vereinen, Institutionen und Unternehmen in unserer Nachbarschaft zu schaffen."

Da einige der Mitglieder der Gruppe bereits in Bonnevoie wohnen, "möchten wir gerne in diesem sich stark entwickelnden Viertel bleiben. Wir sind überzeugt, dass unser Wohnprojekt einen echten Platz in dieser Nachbarschaft hat. Wir möchten einen Lebensraum schaffen, der eine soziale Öffnung des Stadtteils ermöglicht, um unser Leben zu nähren und Akteure der lokalen Dynamik zu werden."

Diese neue Art des Wohnens, so die Motivation der Gruppe, "ist auch für unsere Kinder wichtig: Sie ermöglicht es uns, eine bessere Umgebung zum Leben, Spielen und zur persönlichen Entwicklung auf der Ebene des Gebäudes zwischen den Bewohnern, aber auch im Austausch und in den erlebten Begegnungen zu schaffen."

Die gemeinsamen Werte sind:

  • Gegenseitige Hilfe, Solidarität: Im Haus geht es darum, bestimmte Leistungen zu bündeln und sich gegenseitig zu helfen, z. B. bei der Kinderbetreuung in bestimmten beruflichen oder außergewöhnlichen Situationen.
  • Sharing: Im Gebäude wird aus Gründen der Platzersparnis, der Effizienz und der Ökologie angestrebt, bestimmte Räume gemeinsam zu nutzen und dabei ein Gleichgewicht zwischen privatem und kollektivem Leben zu wahren.
  • Offenheit: Wir alle sind begierig darauf, neue Menschen zu treffen und neue Dinge zu entdecken; wir sind für eine soziale Offenheit, die es uns ermöglicht, Akteure in der lokalen Dynamik zu werden.
  • Respekt vor der Natur: Die Planung und der Bau eines sich entwickelnden, flexiblen und ökologischen Gebäudes wird es uns ermöglichen, unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen und gleichzeitig einfach und in Übereinstimmung mit unserer Vorstellung von einem Leben zu leben, das die Natur respektiert: Recycling, keine Lebensmittelverschwendung, geringer Energieverbrauch, keine unnötigen Geräte...

"Wir denken über eine LENOZ-Umweltzertifizierung nach", erklärt die Gruppe, "also u.a. über eine gute Energiebilanz und ein Kühlsystem für die Heizung". Ein Energieexperte wird das Projekt bei der Planung, der Umsetzung und dem Betrieb begleiten. Ziel ist es, ein LENOZ Klasse 1 zertifiziertes Projekt zu erreichen:

  • Wasser: Das Regenwasser vom Dach wird in einem zweiten Wasserkreislauf wiederverwendet, um die Toiletten des Gebäudes zu versorgen. Ziel ist es, den Verbrauch von Trinkwasser auf maximal 80 Liter pro Person und Tag zu reduzieren.
  • Energie: Das Dach wird mit Sonnenkollektoren ausgestattet, die von einem Heizkessel unterstützt werden. Die Energieverteilung erfolgt über eine Niedertemperatur-Fußbodenheizung. Die restlichen Flächen werden mit Photovoltaik-Paneelen ausgestattet, um eine Wärmepumpe und die Batterien für die Elektrofahrräder zu betreiben. Alle elektrischen Netzwerke werden abgeschirmt, um die Insassen vor elektromagnetischen Wellen zu schützen.
  • Hülle: Die Außenwände und das Dach werden in Holzrahmenbauweise mit Isolierung ausgeführt. Um die Fassadenkomplexe unseres Passivhauses zu optimieren, wird uns ein Energieexperte durch das Projekt begleiten.
  • Sonnenlicht : Die Wohnräume, Küche, Wohnzimmer, Esszimmer sind nach Westen / Südwesten und die Nachträume nach Osten / Nordosten ausgerichtet.
  • Mobilität: Das Projekt ist für die Nutzung von Fahrrädern optimiert mit der Möglichkeit, diese im Erdgeschoss (und nicht in einem Keller) abzustellen. Der für 2 Autos vorgesehene Stellplatz kann auch als Fahrradabstellplatz genutzt werden. Wir glauben, dass wir unseren eigenen Fuhrpark reduzieren können, indem wir das Carsharing-System Carl’oh der Stadt Luxemburg nutzen.
  • Feinschliff: Der Rohbau und die Gebäudehülle werden in einem hohen Standard ausgeführt, der ein Minimum an Nacharbeiten erfordert. Decken in Sichtholz, Wände in Holz oder Beton, glatte und getönte Estriche.
  • Recycling: Der Recyclingraum befindet sich im Keller. Wir betrachten Recycling und Mülltrennung als eine alltägliche Tätigkeit. Die biologisch abbaubaren Abfälle werden im Garten kompostiert und dienen der Düngung der Gemüsegärten.
  • Lebenszykluskosten und Wartung: Alle einzusetzenden Systeme und Materialien werden auf die Kriterien Nutzen, Suffizienz und Belastbarkeit geprüft. Flächen und Räume sind flexibel gestaltet und können ohne bauliche Eingriffe eine Vielzahl von Nutzungsszenarien aufnehmen.
  • Schwellenfreie Konstruktion: Das Gebäude ist komplett schwellenfrei ausgeführt, um den Zugang zu allen Räumen bei eingeschränkter Mobilität zu erleichtern. Kombiniert mit dem Einbau eines Aufzugs werden wir das Gebäude in allen Wohnsituationen nutzen können. Die Grundlagen für die Anpassung des Gebäudes an eine Person im Rollstuhl sind gelegt, zum Beispiel durch die Verbreiterung der Podeste vor den Aufzügen.

Geplant wurde der Bau von BalliniPitt Architects.

Für dieses Projekt erhielten die drei Familien im September 2020 drei einzelne Investitionskredite in Höhe von rund 2,9 Millionen Euro (Laufzeit 10 bis 25 Jahre).

Kontakt: Cohousing Bouneweeg S.C., Hany Heshmat, 39 Val Saint André, 1128 Luxemburg

Artikel vom 14. April 2021