Geméis vun hei

, von Ekkehart Schmidt













Die Demeter-Gärtnerei "Schanzer Bio Geméis" wurde Ende 2016 von Maggy und Carlo Demuth und ihrem Mitgesellschafter, Demeter-Gärtner Hugo Krijnse Locker, gegründet. Letzterer ist einer der Pioniere der Bio-Landwirtschaft in Luxemburg, seit 1989 betrieb er eine Gärtnerei in Mamer, 1999 bekam er einen der ersten etika-Kredite der Bio-Branche.

Da es der Familie Demuth ein wichtiges Anliegen war, dass ihre zwölf Hektar Fläche in Altrier – zwischen Echternach und Junglinster - ökologisch bewirtschaftet werden sollte, engagierten sie sich in der schwierigen Anfangsphase mit viel Herzblut. Und hatten Erfolg: Ihre Produkte erhielten das BIOG-Label und wurden über den Bio-Großhändler Biogros landesweit verkauft.

Mittlerweile wirtschaftet die Bio-Gärtnerei in Altrier in ihrem fünften Jahr ökologisch. Im Winter 2020/ 21 kam die Zeit für eine Neu-Strukturierung. Anfang 2021 wurde der Gärtnereibetrieb neu aufgestellt: Nachfolgebetrieb der „BIO-Gäertnerei op der Schanz“ wurde die „BIO-Gaart Altréier S.à r.l.“, als deren Geschäftsführer Willy Noesen zeichnet, der als Gärtner bereits langjähriger Lieferant für Biogros der Oikopolis-Gruppe ist. Als einer von zwei Gesellschaftern des neuen Betriebs hält er 10 % der Anteile. Mehrheitseignerin ist die OIKOPOLIS Participations SA, die mit 90% der Firmenanteile auch den Großteil der betrieblichen Investments stemmt.

Die bestehenden vier großen Gewächshäuser direkt am Naturata Bio Marché Altrier sowie auf der anderen Straßenseite werden von Jeff Weydert vom nahegelegenen Fromberger-Haff bewirtschaftet, einem ehemaligen Mitarbeiter der Bio-Supermarktkette Naturata. Somit ist die Führung der Bio-Gärtnerei in jüngere Hände gelegt und die Gründerpioniere können ihren wohlverdienten Ruhestand genießen.

Der Betrieb bietet ausreichend Platz für den Freilandanbau verschiedener Bio-Gemüse, dazu kommen vier beheizbare Gewächshäuser, in denen derzeit ausschließlich diverse Sorten Bio-Tomaten angebaut werden. Jeff Weydert hat die direkt hinter dem Hofladen liegenden Gewächshäuser gepachtet. Im Freiland werden vor allem Bio-Salat, aber auch Bio-Radieschen, -Kohlrabi und -Brokkoli angebaut. Die Erhöhung der Anbauflächen für Gemüse sind in Luxemburg deswegen so wichtig, weil das Land extrem abhängig vom Import von Obst und Gemüse ist.

Dieses Projekt, das sich in die biologisch, lokal und sozial assoziativ ausgerichtete Philosophie von OIKOPOLIS einfügt - welche in Luxemburg immer noch innovativ und ein Pilotprojekt ist - minimiert den Import von Biogemüse. Angesichts des Ziels der Regierung, bis 2025 20 % der Anbaufläche ökologisch zu bewirtschaften, liegt der Mehrwert dieses Projekts auf der Hand.

Für die Bedürfnisse der Betriebsübernahme erhielt der BIO-Gaart im Mai seitens Spuerkeess und etika einen Eigenkapitalkredit in Höhe von 150.000 Euro, dessen Laufzeit zehn Jahre beträgt. Die Zinsbonifikation seitens etika beträgt 0,5 %. Der Kontext ist wie folgt: Jeder Betrieb, der in der Landwirtschaft oder, wie in diesem Fall, im Großgartenbau anfängt, hat oft das Problem der mangelnden Liquidität. Zu Beginn übersteigen die Investitionen und Zahlungen der Mitarbeiter die Einnahmen bei weitem. Seit dem Aufschwung im Januar sind die Lohnkosten natürlich schon angefallen, aber die ersten Einnahmen kommen erst viel später. Eine Erhöhung der Liquidität war in einer Branche wie der Gärtnerei im Winter notwendig.

Am 25. Juni konnten Willy Noesen und Jeff Weydert zur offiziellen Einweihung hohen Besuch empfangen: Grossherzog Henri, der bei seiner Visite vom Minister für Landwirtschaft, Weinbau und ländliche Entwicklung, Romain Schneider sowie von Aender Schanck von der Oikopolis-Gruppe bgleitet wurde. Nach einem Rundgang legte das Staatsoberhaupt selbst mit Hand an (Foto oben). „Nein, Grossherzog Henri hat sich nicht für eine Karriere als Landwirt entschieden“, witzelte das Luxemburger Wort tags drauf unter der Überschrift „Mittendrin statt nur dabei“. Aber er durfte einige Leckereien direkt vom Feld bzw. aus den Gewächshäusern probieren.

Um den Artenreichtum zu erhöhen, wurden auf dem Gelände auch Vogelkästen aufgehängt und einige Bienenstöcke aufgestellt. Die Energieversorgung erfolgt hauptsächlich durch Solarenergie und eine Holzhackschnitzelanlage zum Heizen, und die Regenwasserauffangbecken sorgen teilweise für die Bewässerung der Felder.

Weitere Infos: Artikel im Luxemburger Wort vom 24. Mai 2021

Kontakt: Willy Noesen, BIO-Gaart Altréier s.a.r.l., 24 op der Schanz, L-6225 Altrier, Tel.: 621 477 956

Fotos © SIP Jean-Christophe Verhaegen, Titelfoto mit Trakor: Anouk Antony, Luxemburger Wort 2021

Artikel vom 14. Juli 2021