Hugo Krijnse Locker

, von Jean-Sébastien Zippert

Hugo Krijnse Locker ist ein Gemüseanbauer, der seit 1989 ausschliesslich Produkte nach den Regeln des biodynamischen Landbaus auf einer Fläche von 3,6 ha anbaut und vertreibt. Damit ist er einer der Pioniere der Bio-Landwirtschaft in Luxemburg. Bekannt ist er für seine Salatvielfalt, er baut mit seinen zwei Mitarbeitern jedoch auch Tomaten, Auberginen, Kartoffeln, Petersilie, Löwenzahn und andere Kräuter an.

Bei unserem Besuch im Juni 2013 entluden seine Mitarbeiter gerade aus Deutschland importierte Saatplatten. Die jungen Pflanzen werden anschliessend im Gewächshaus gesetzt. Dort kann Hugo mehrere Male im Jahr ernten. Unsere Fotos vom Inneren des Gewächshauses zeigen

Auberginenpflanzen und Tomaten (im Hintergrund). Eine Wand des Gewächshauses öffnet sich bei ausreichender Sonneneinstrahlung vollautomatisch.

Für den Bau des Gewächshauses mit einem kleinen Feld sowie für eine Anlage zur Lagerung des Gemüses in Mamer hatte Hugo im Oktober 1999 einen Investitionskredit von etika und der BCEE erhalten. Das Kreditvolumen betrug 89.242 Euro. Die Laufzeit des Kredits belief sich auf 20 Jahre, er wurde jedoch schon vorzeitig vollständig zurück gezahlt..

Das vom Demeterbund zertifizierte Gemüse wird auch auf Märkten

verkauft (Foto rechts): Mittwochs und Samstags in Luxemburg/Stadt sowie jeden 2. und 4. Freitag im Monat in Mamer. Neben den von ihm produzierten Saisonwaren bietet er auch über Biogros importiertes Obst und Gemüse an.

Bei unserem Besuch erzählt uns Hugo, dass er als 6jähriger mit seiner Familie aus den Niederlanden nach Luxemburg kam, die Europaschule besuchte und ursprünglich Architekt oder Gärtner werden wollte. "Ich

wusste: Ich werde Gärtner", schildert er. Sein Vater wollte ihn dann auch auf eine Schule für biologisch-dynamische Landwirtschaft in den Niederlanden schicken. Aber es kam anders: Hugo studierte in Trier zunächst Bauingenieurwesen, bis er merkte, dass er das nicht wirklich wollte. "So habe ich dann einfach bei einem Gärtner angefangen - Das war bei Arensdorf im Paffendal, dem ersten

Biobauer hier - und habe mitbekommen, was biologische Landwirtschaft darstellt. Aber ich fragte mich: Wie kann man biologisch-dynamisch anbauen?"

Durch einen Zufall fiel ihm ein "Maria-Thun-Mondkalender" in die Hand, einem Aussaatkalender, der in der biologisch-dynamische Landwirtschaft genutzt wird. Er belegte einen Kurs, schaute sich verschiedene Gärtnereien an, lebte in Wohngemeinschaften und suchte seinen Weg:

"Als ich 33 Jahre alt war, habe ich mir gesagt: Ich stehe jetzt auf eigenen Füssen und fange richtig an. Ich hatte eine kleine Fläche, auf der ich Gemüse und Salat anbaute und bin damit dann samstags auf den Markt gegangen. Zudem haben wir in einer Garage in Merl eine Verteilergemeinschaft aufgebaut, die ich mit Salaten beliefert habe. Zwei Jahre lang habe ich auch noch bei NATURATA im Rollingergrund gearbeitet: Am Morgen war ich dort im Geschäft, am Nachmittag bin ich in meinen Garten gegangen. Und einiges von meiner Produktion konnte ich dann auch dort im Supermarkt verkaufen. Dann ist 1990 ein Gärtner in Pension gegangen und ich konnte seinen Gemüsestand auf dem Knuedler übernehmen. Erst dadurch hatte ich höhere Einnahmen und konnte meinen Betrieb aufbauen, ein Haus bauen und ein Grundstück kaufen...".

Wenngleich er als Bio-Pionier schon so lange dabei ist, freut er sich Anfang April immer noch sehr auf den ersten grünen Salat im Jahr. Da er nur sechs Monate im Jahr produzieren kann, baute er später neben der Gärtnerei noch einen eigenen Marktbetrieb auf. Auf dem Markt bietet er neben Salaten, Tomaten und Gurken, Petersilie und Auberginen aus dem Gewächshaus auch Kartoffeln, Zwiebeln und Lauch an, die er auf anderen Flächen anbaut.

Im Gespräch betont er, dass in Luxemburg Gärtnereien und Gemüsebauern wie er Mangelware sind. Die Produktion könnte deutlich gesteigert werden, um - über die Vertriebsorganisation Biogros - auch Supermärkte wie Cactus zu beliefern. Da Hugo 2014 jedoch schon seinen 60. Geburtstag feiert, beschäftigt ihn nun vor allem die Suche nach einem Nachfolger. Dessen Aufgabe wird es sein, den von der emblematischen Figur Hugo Krijnse-Locker aufgebauten Betrieb in die Zukunft zu führen.

Der Betrieb ist mittlerweile geschlossen.

Audiodokument:

Hören Sie ein Interview, das Hugo Krijnse Locker 2006 auf RTL gegeben hat.

Kontakt:
Hugo Krijnse Locker, 36, rue de Kehlen, L-8235 Mamer, Tel. 26 31 00 31, hugo.krijnse.locker@internet.lu

Artikel vom 17. Oktober 2006, zuletzt aktualisiert im Juni 2019