Vortrag und Diskussion: Luxemburg und der globale Wettlauf um Land (27. Juni)

, von Ekkehart Schmidt

Seit der Finanzkrise haben weltweit Millionen Hektar an Land den Besitzer gewechselt oder wurden neu verpachtet. Viele dieser Deals lassen sich mit dem Begriff Land Grabbing umschreiben – der großflächigen Aneignung von Land vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern von finanzstarken internationalen Akteuren wie großen Unternehmen, vermögenden Privatpersonen, Investment- oder staatlichen Pensionsfonds.

Die Profitorientierung dieser Akteure steht dabei häufig im Gegensatz zu den Interessen der lokalen Bevölkerung und hat nicht selten desaströse ökologische und soziale Folgen. Darunter fallen vor allem gewaltsame Vertreibungen, der Verlust der Lebensgrundlage lokaler Kleinbäuer:innen und andauernde Landkonflikte unterschiedlicher Intensität. Die Fokussierung auf die Produktion von Cashcrops für den Weltmarkt verstärkt zudem die Nahrungsmittelunsicherheit der Bevölkerung vor Ort.

  • Vortrag und Debatte: Centre Altrimenti, Donnerstag 27. Juni 18 Uhr

Einführen in das Thema Land Grabbing wird Roman Herre, Experte für Landwirtschaft, Landkonflikte und Agrarhandel des Food First Informations- und Aktions-Netzwerks (FIAN) in Deutschland. Die internationale Menschenrechtsorganisation setzt sich für das Menschenrecht auf Nahrung ein. In seinem Vortrag wird Herre nicht nur das Ausmaß der Problematik an konkreten Beispielen schildern. Er wird speziell Unternehmen und Investmentfonds benennen, die ihren Sitz in Luxemburg haben und als maßgebliche Akteure weltweit in Landkonflikte involviert sind.

Komplettiert wird der Vortrag von dem Journalisten Fabien Grasser (derzeit woxx, davor unter anderem Chefredakteur des Quotidien), bekannt durch eine Vielzahl kritischer Recherchen zum Luxemburger Finanzsektor. Er wird in seinem Vortrag die Rolle Luxemburgs als "facilitator" derartiger Praktiken untersuchen und der Frage nachgehen, welche steuerlichen Anreize Unternehmen und Investmentfonds haben, sich im Großherzogtum niederzulassen.

Die Veranstaltung wird organisiert von etika in Kooperation mit ASTM und SOS Faim. Sie ist Teil einer Reihe zum Thema „Landwirtschaft und Finanzialisierung“.

Sprachen: englisch/französisch.

Artikel vom 19. Juni 2024