Solarstrom vom Parkplatz – etika Blog

Solarstrom vom Parkplatz: über eine Million Euro für zwei Pionierprojekte

Innovative Photovoltaik-Carports in Mensdorf und Niederanven produzieren Strom für 350 Haushalte – auf Flächen, die ohnehin da sind.

Ihre Spareinlagen machen’s möglich: etika und Spuerkeess haben zwei innovative Photovoltaik-Carport-Projekte von Enovos – in Partnerschaft mit Panelux bzw. der Gemeinde Niederanven – mit über 1,1 Millionen Euro gefördert. In Mensdorf und Niederanven entstehen so Solaranlagen, die rechnerisch genug Strom für 350 Haushalte produzieren.

Anouk Hilger und Ivan Papousek von Enovos

Anouk Hilger (Head of Renewable Energy) und Ivan Papousek (Business Controlling und Asset Management) von Enovos

Anouk Hilger, Head of Renewable Energy bei Enovos, und Ivan Papousek, zuständig für Business Controlling und Asset Management, erklären, warum diese doppelte Flächennutzung die Zukunft der Energiewende ist.

Der Ausbau erneuerbarer Energien ist für Enovos mehr als nur ein Geschäftsfeld – er ist strategische Priorität. “Unser Ziel ist es, ein großer Akteur in der Großregion für die Energiewende zu sein”, erklärt Anouk Hilger. Die Zahlen geben ihr recht: Allein bei Photovoltaik hat Enovos mittlerweile 55 Megawatt installiert. In der Windkraft macht das Unternehmen sogar etwa 75 Prozent der luxemburgischen Produktion aus, bei PV liegen die Marktanteile bei etwa 15 Prozent. Neben Solarenergie und Windkraft über das Joint Venture Soler mit der SEO betreibt Enovos auch Laufwasserkraftwerke.

Carports: Die Antwort auf Flächenknappheit

Die beiden von etika geförderten Carport-Projekte sind keine Zufallsprodukte, sondern Ergebnis strategischer Überlegungen. Als die Regierung 2018 große Ausschreibungen für PV-Anlagen startete, stellte sich bei Enovos die Frage: Wo gibt es geeignete Flächen? “Neben Dächern und Industriegebieten kamen wir auf Carports – versiegelte Flächen, die doppelt genutzt werden können”, erinnert sich Hilger. Mit Panelux hatte Enovos bereits eine Dachanlage realisiert, eines der ersten Großprojekte in Luxemburg. Der Parkplatz war dann ein logisches Folgeprojekt. Bei Niederanven entwickelte sich die Zusammenarbeit aus dem laufenden Austausch über verschiedene Energieprojekte mit der Gemeinde.

Der Vorteil von Carports liegt auf der Hand – oder besser: unter den Modulen. “Man nutzt Platz doppelt – für Parkplätze und Energieproduktion”, sagt Hilger. “Die Autos darunter sind im Sommer vor Sonne, im Winter vor Schnee geschützt.” Entscheidend ist aber vor allem: “Wir nutzen bereits versiegelte Flächen und müssen keine neuen Naturflächen in Anspruch nehmen.” Ein Ansatz, der auch bei den Agri-PV-Anlagen verfolgt wird, die Enovos dieses Jahr in Betrieb genommen hat – dort sogar mit dreifacher Nutzung: Landwirtschaft, Energieproduktion und Biodiversitätsförderung.

Zwei Projekte, zwei Partner, ein Prinzip

Die Projekte in Zahlen

920 kWp Panhelios (Panelux)
520 kWp Niederanven
~350 Versorgte Haushalte (rechnerisch)
1,1 Mio € Kreditsumme
(mit etika-Bonifikation)

Ivan Papousek kann die beiden geförderten Projekte in konkreten Zahlen beschreiben: Die Panhelios-Anlage bei Panelux hat eine Leistung von 920 Kilowatt peak und kann etwa eine Gigawattstunde Strom pro Jahr produzieren. Das Projekt in Niederanven ist mit 520 Kilowatt etwas kleiner. Um die Größenordnung einzuordnen: “Mit dieser Strommenge könnte man rein rechnerisch etwa 250 beziehungsweise 100 Haushalte versorgen”, erklärt Papousek. Tatsächlich wird der Strom aber nicht ins Netz eingespeist, sondern komplett vor Ort verbraucht – bei Panelux vom Unternehmen selbst, in Niederanven vor allem von der Maison Relais und weiteren Gebäuden der Gemeinde.

Die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern folgt einem klaren Modell. “Wir glauben, dass jeder Akteur bei der Energiewende mitmachen sollte”, betont Hilger. “Deshalb gründen wir gemeinsame Projektgesellschaften, die Partner beteiligen sich an der Finanzierung und profitieren vom selbst erzeugten Strom.” Diese Partnerschaften reichen dabei von Industrie- und Logistikunternehmen über Mittelstands- und Gewerbebetriebe bis hin zu landwirtschaftlichen Betrieben und Gemeinden – ein breites Netzwerk, das die Energiewende gemeinsam voranbringt.

Für die Partner hat diese Konstruktion einen entscheidenden Vorteil: Enovos übernimmt die gesamte Planung, Ausschreibungen, Baubegleitung und nach Inbetriebnahme die technische und kaufmännische Betriebsführung. “Sie müssen sich um die technischen Details nicht kümmern und bekommen den Strom geliefert”, fasst Papousek zusammen. Wichtig dabei: “Die Projekte müssen bankable sein, also wirtschaftlich tragfähig” – eine Voraussetzung, die auch für die Förderung durch etika und Spuerkeess gilt.

Während Panhelios bereits fertig gebaut ist und nur noch angeschlossen werden muss, plant Enovos den Baustart in Niederanven für das erste Quartal 2026. Die Bauphase wird etwa 3 bis 4 Monate dauern.

Boom bei industriellen Dächern

Wo sieht Enovos das größte Potenzial für den weiteren Ausbau? Parkplätze gibt es sicher noch einige, räumt Hilger ein. Allerdings ist in Luxemburg Land wertvoll. Man muss abwägen, ob ein Parkplatz nicht anderweitig genutzt werden könnte. Vielversprechender ist aktuell ein anderer Trend: “In den letzten zwei bis drei Jahren sind sehr viele industrielle Dächer ausgelegt worden”, berichtet Hilger. Der Grund sind die Eigenverbrauchsmodelle: Unternehmen produzieren ihren Strom selbst und verbrauchen ihn direkt vor Ort. Das ist wirtschaftlich attraktiv und gut fürs Klima. Die Regierung hat diesen Trend mit der Vorgabe verstärkt, dass neue Gebäude “PV-ready” gebaut werden müssen – eine wichtige Weichenstellung.

Interessant ist auch, dass Produzenten jetzt Lösungen für ältere Gebäude entwickeln. “Bei denen ist manchmal die Statik nicht optimal für schwere Solarmodule”, erklärt Hilger. “Deshalb entwickeln Produzenten jetzt Lightweight-Module: leichtere Panels, mit denen wir auch solche Dächer optimal auslasten können.”

Herausforderungen: Netze und negative Preise

Doch der Ausbau bringt auch Herausforderungen mit sich. Eine große sind die negativen Strompreise und Schwankungen im Markt. “Wenn massiv Energie produziert wird, aber die Nachfrage fehlt, ist das Netz übersättigt und Anlagen müssen runtergefahren werden”, beschreibt Hilger das Problem. Die Antwort darauf: Batteriespeicher. “Das wird ein Schwerpunkt der nächsten Jahre. Die Regierung hat ja eine Speicherstrategie vorgestellt.”

Papousek weist auf eine weitere Hürde hin: die Netzanschlüsse. “Nicht überall ist die Anschlussmöglichkeit optimal, und die Entfernung zum nächsten Anschlusspunkt kann ein erheblicher Kostenfaktor werden.”

Was würde den Ausbau erleichtern? Der Energietisch der Regierung mit über 50 Maßnahmen gehe in die richtige Richtung, findet Hilger. “Wichtig sind schnellere Genehmigungsverfahren, vereinfachte administrative Prozesse und weniger Anlaufstellen.” Ihr Fazit: “Insgesamt entwickelt sich vieles positiv.” (JB)

Scroll to Top