Nachruf: Zum Tod von Guy Schuller

, von Ekkehart Schmidt

„Sein Tod ist ein großer Verlust für das Vereinsleben in Luxemburg“, sagt etika-Präsidentin Magali Paulus. Sie ist nicht die Einzige, die das so empfindet. Der in vielen Vereinen ehrenamtlich engagierte Ökonom Guy Schuller verfolgte die Entwicklungen der Weltwirtschaft mit kritischem Blick und wies immer wieder auf soziale Ungerechtigkeiten in der Folge der Globalisierung hin.

Als Verantwortlicher der Abteilung für Studien, Prognosen und Forschung der Luxemburger Statistikbehörde Statec setzte er sich stets dafür ein, entsprechende Entwicklungen mit der gebotenen Gründlichkeit und objektiven Sachlichkeit der Wissenschaft aufzuzeigen. Statistiken waren für ihn ein Weg, über Ungerechtigkeiten aufzuklären. In seiner Freizeit bemühte er sich, aus der statistischen Arbeit gewonnene Erkenntnisse in praktisches Tun umzusetzen.

Engagiert war er jedoch schon lange vorher: Guy Schuller war Anfang der 1970er-Jahre einer von mehreren jungen Leuten, die die Gründungsarbeit der Action Formation de Cadres (AFC), später Action Solidaité Tiers Monde (ASTM) fortführte. 1973 – inmitten der Ölkrise – war er auch Mitbegründer der entwicklungspolitischen Zeitschrift Brennpunkt Drëtt Welt, für die er bis in die 1990er-Jahre schrieb. Deren wichtigster Ansatz war, auch hierzulande „Entwicklungspolitik“ zu betreiben, oder, um es in seinen Worten auszudrücken: „Et as sons op eemol d’Asiicht komm, datt nëmmen do hannen an der Drëtter Welt eppes ze machen ass, mä datt och e Bewosstsinn heiheem ze schafen ass.“ (Brennpunkt, Dezember 2013). Der bekennende Christ wurde zum Verfechter einer umweltverträglichen und sozialgerechten Weltwirtschaft. Dazu verfasste er auch etliche Meinungsartikel im Luxemburger Wort und im Forum.

Geboren am 1. März 1954, besuchte er das Athenée de Luxembourg sowie das Lycée de Garçons in Luxemburg und studierte an der Université catholique de Louvain. 1978 trat er in den Dienst des Statec und beschäftigte sich dort vor allem mit den Zahlen des Außenhandels und der Zahlungsbilanz. Nach fünfunddreißig Jahren leitete er zuletzt die Abteilung „Etudes, prévisions et recherches“ und erstellte wertvolle Wirtschaftsanalysen für Luxemburg. Unter anderem arbeitete er 2010/11 an einer Forschungsstudie zum PIBien-être mit, war Mitglied der „Cellule de Recherches sur la résolution de conflits“ des Ministeriums für Bildung und professionelle Ausbildung und gab Kurse an der Universität Lille.

Bei den Journées sociales 2012 sowie in einer Podiumsdiskussion im Jahre 2013, engagierte er sich auch für die Konzeption eines „bedingungslosen Grundeinkommens“. Ihm zufolge werden in der Gesellschaft „viele Leistungen ohne Entgelt erbracht, wie etwa die Kindererziehung oder die Hausarbeit“. Das Problem bestehe darin, „dass Leistung meist nur als solche anerkannt wird, wenn sie bezahlt wird“. Wo bleibe da der Raum für ein gemeinnütziges Engagement? Die Frage nach der Anerkennung der gemeinnützigen Arbeit war auch für Guy Schuller sehr aktuell. Viele Jahre bis zu seinem Tod war er Präsident der Communauté de vie chrétienne – Luxembourg (CVX), engagierte sich bei der Association de Soutien aux Travailleurs Immigrés (ASTI), wurde 1988 Mitglied des Institut grand-ducal und arbeitete seit 2013 auch engagiert im etika-Verwaltungsrat mit. Zuletzt entwickelte er im Juni, bei einem zweitägigen strategischen Workshop mit anderen etika-Freiwilligen, Ideen für eine Ausweitung und Diversifizierung der Vereinsaktivitäten (Foto unten).

Wer ihn kannte, beschreibt ihn als sehr gläubige, aufrechte und integre Persönlichkeit, die sehr an anderen Menschen interessiert war. Marc Welter vom etika-Kreditkomitee schrieb: „Au-delà de ses compétences incontestées, j’ai toujours apprécié ses qualités humaines, en particulier sa droiture et son sens du fair-play". In einem Nachruf des Statec heißt es: „Un collaborateur dévoué et fiable, tout comme un responsable respectueux et irréprochable pour ses subordonnés.“

Guy war verheiratet und zog mit seiner Frau in Olm zwei Kinder groß. Am 20. August starb er an einem erneuten Ausbruch einer langen, schon überwunden geglaubten Krankheit.