Etika Info no 13 - décembre 2002

, von Jean-Sébastien Zippert

Photovoltaik

Sonnenlicht in Strom umwandeln?

Nicht ohne Grund sind dauerhafte Energiequellen stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten: die fossilen Brennstoffe dieser Erde wie Erdöl, Erdgas und Kohle sind endlich. Es kommt darauf an, - mehr als bisher - erneuerbare Energien, allen voran Sonnen-, Wind- und Wasserkraft zu nutzen. Und es geht darum, den Ausstoss von Kohlenmonoxyd zu reduzieren, das für den Treibhausgaseffekt, also die nachhaltige Erwärmung unserer Atmosphäre verantwortlich ist. Die Einrichtung dieser Technologien sind zum Teil noch nicht so kostengünstig und, was die Solarenergie betrifft, können noch weitere Verbesserungen im Wirkungsgrad von Solarmodulen erzielt werden. Daher haben viele Regierungen Förderprogramme bei der Installation von Photovoltaikanlagen aufgelegt. So auch Luxemburg.
Bis 2010 hat sich Luxemburg das Ziel gesetzt, seinen Anteil an erneuerbaren Energien, also nicht nur Sonnenenergie, auf 10 Prozent des gesamten Stromverbrauchs steigen zu lassen. Um die Photovoltaik, die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie mittels Solarzellen, wirtschaftlich noch konkurrenzfähiger zu machen, werden Photovoltaik-Anlagen bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten vom Umweltministerium subventioniert.

Etika unterstützt die neue Solartechnik

Etika setzt sich seit Beginn ihres Bestehens für die Förderung von Projekten zur alternativen Energiegewinnung ein und fördert dementsprechend Projekte im Bereich Windenergie, Wasserkraft als auch aus Biogas.
Etika unterstützt seit Beginn 2002 netzgekoppelte Solaranlagen von Privathaushalten. Bisher blieben Privathaushalte in der Regel von der Kreditvergünstigung ausgeschlossen. Mit ihrer Förderung möchte Etika dazu beitragen, Impulse zur Marktentwicklung dieser Technologie zu geben. Deshalb hat Etika 500.000 Euro vom Sparfonds für die tatsächlichen Investitionskosten von Photovoltaik-Anlagen für Privathaushalte bereitgestellt.
Zwischen Februar und November 2002 wurden insgesamt acht Anträge von Privathaushalten in Höhe von 584.800 Euro genehmigt; die Hälfte dieses Betrags wird von Etika vorfinanziert, bis die staatlichen Subventionen nach einem halben Jahr nach Installierung der Anlage eingetroffen sind. Einzelheiten dazu lesen Sie auf Seite 7 in diesem Heft. Für das Kreditkomitee im Dezember stehen weitere Anfragen in Höhe von rund 200.000 Euro vor einer Entscheidung. Weitere Projekte, die ihr Interesse angemeldet haben, beziffern sich auf rund 330.000 Euro (Stichdatum: Ende November)

Erhöhung der Kreditobergrenze

Der Vorstand von Etika entschied auf seiner Sitzung vom Oktober 2002, die allgemeine Kredithöchstgrenze auf 1 Million Euro anzuheben. Bisher wurden Projekte mit einer Höchstfördersumme von 495.787 Euro unterstützt; davon wurde allerdings die Hälfte (= 247.894 Euro) nur jeweils auf ein Jahr vergeben, mit der Möglichkeit einer weiteren Verlängerung. Mit dieser Regelung will Etika die Kreditvergaberate von zur Zeit rund 75% noch weiter erhöhen.

Den Réidener Energieatelier :«Auf der Spur erneuerbarer Energien»

Die Arbeit der asbl Réidener Energieatelier zielt darauf ab, den Einsatz erneuerbarer Energien zu fördern, und im Rahmen einer Sensibilisierungskampagne im Réidener Kanton und in den Gemeinden des Naturparks Obersauer den allgemeinen Energieverbrauch zu reduzieren.
Beim vorliegenden Projekt handelt es sich um ein Konzept von drei verschiedenen Wanderwegen-Routen zum Thema «Alternative Energien». Diese können mit «Solarfahrrädern» zurückgelegt werden und an einzelnen Haltestationen kann man sich über konkrete Solarprojekte informieren, so z.B. die Solarthermieanlage mit Wintergarten in Nördingen, verschiedene Solaranlagen in Elvingen-Beckerich, die Niedrigenergieschule in Ell. Ein anderer Wanderweg führt zum Naturpark Öewersauer, wo Wind- und Wasserkraftanlagen und ein Solarboot besichtigt werden können.
Das besondere an diesem Projekt sind auch die elektrisch gestützten Fahrräder, deren Akkus an Solartankstellen mit Solarstrom aufgeladen werden. Auf diese Weise erlernen die Benutzer auch den Umgang mit Solarenergie.

Die Leistung der Solartankstellen beträgt 1,2 kWp. Die Solarzellen werden der Sonne horizontal und vertikal automatisch nachgeführt. So ergibt sich eine Ertragssteigerung von mindestens 30 Prozent. Die produzierte elektrische Energie beträgt pro Solartankstelle rund 1347 kWh / Jahr.
Die Solarfahrräder sind so gebaut, dass sie die (an den Pedalen aufgebrachte) menschliche Kraft unterstützen. Bei eingeschaltetem Elektromotor wird 50% Unterstützung vom Motor geliefert. Mit einer Akkufüllung Solarstrom lässt sich abhängig vom Streckenprofil eine mittlere Reichweite von 30 km erzielen.
Der Verbrauch liegt bei 1 kWh pro 100 km. Das sind vergleichbare 0,1 Liter Benzin pro 100 km. Mit der Energieproduktion einer Solartankstelle können also pro Jahr 134.700 km mit dem Solarfahrrad zurück gelegt werden.
Für das Projekt, welches ab Frühjahr 2003 für das Publikum offen ist, werden zwei sog. nachgeführte Solaranlagen, («Sun-Follow 1,2 KWp») angeschafft, die sich zur Sonne drehen.
Das Kreditkomitee von Etika unterstützt den Kredit für dieses innovative Regionalprojekt in Höhe von 24.798 Euro; davon 12.000 Euro zur Vorfinanzierung der staatlichen Subventionen .

Drei neue Windräder in Heinerscheid

Dem «Wandpark Gemeng Hengischt» wurde ein Kredit bewilligt für die dritte Bauphase von zusätzlichen drei Windräder des Typs ENERCON E 66 /1870 (à 1.800 kW). Dieser Kredit beläuft sich auf insgesamt 1 Million Euro aufgeteilt auf 500.000 Euro mit 15 Jahren Laufzeit und 500.000 Euro auf ein Jahr begrenzt mit der Möglichkeit der Verlängerung.
Dies ist damit das erste Projekt, das den aufgestockten Kreditrahmen von 1 Million Euro ausschöpft.

Photovoltaik-Anlagen zwischen Januar und November 2002

Beispielhaft für die anderen Photovoltaik-Projekte möchten wir den Projektnehmer Frank Steichen zu Wort kommen lassen. Die Anlage der Familie Steichen ist als das erste Vorhaben vom Kreditkomitee unterstützt worden.

Die Photovoltaik-Anlage in Filsdorf
Durch das von der Luxemburger Regierung aufgelegte Förderprogamm und mit Hilfe der finanziellen Unterstützung von Etika (Initiativ fir Alternativ Finanzéierung) wurde eine 24 KW Anlage in 11 rue de l’église in L-5741 Filsdorf installiert. Die Fläche der gesamten Anlage beträgt ungefähr 250 m2. Da die Anlage mit sehr guten und leistungsfähigen Photovoltaikmodulen ausgestattet, kann dementsprechend ein hoher Ertrag von ungefähr 20.000 kWh pro Jahr erwartet werden.
Die 24 kW installierte Leistung ist dadurch zustande gekommen, daß jedes der sechs Familienmitglieder der Familie Steichen in Filsdorf eine Anlage von 4 kW plante und da man, gemäß der luxemburger Getzgebung, bei 4kW/Person installierter Leistung, 50% der Kosten vom Staat zurückerhält. Durch das Errichten eine großen gemeinsamen Anlage konnten ebenfalls die anfallenden Kosten sowie die Lieferzeiten stark reduziert werden.
Das Argument, Solartechnik sei nur für südliche Länder mit mehr Sonneneinstrahlung geeignet, ist falsch. Die Kraft der Sonne ist auch in Luxemburg gewaltig. Die jährliche mittlere Einstrahlung liegt in unseren Breitengraden über 1000 kWh pro Quadratmeter. Dies entspricht dem Energiegehalt von 100 Litern Heizöl pro Quadratmeter.
Energieprognosen der einzelnen Stromerzeugungspotentiale von regenerativen Energiequellen zeigen, dass sich die Photovoltaik als Energieträger bis zum Jahr 2050 bei weitem durchsetzen wird. Dies ist zum Einen durch die künftige Kostenentwicklung zu erklären. So sind seit Begin der 80er Jahre die Preise für Photovoltaikanlagen um 60% gesunken. Durch Markteinführungs-und Förderprogramme wie z.B das japanische 70000- Dächer-Programm oder das deutsche 100000-Dächer-Programm, wird die Produktionsmenge in den nächsten Jahren stark ansteigen, wodurch die Kosten weiter fallen werden.

Dass die Photovoltaik bis zum Jahr 2050 als Energieträger Nr 1. heranwachsen wird, ist auch dadurch zu erklären, dass Photovoltaik bereits heute eine ausgereifte Technik ist, bei welcher man in der Zukunft aber noch erhebliche Verbesserungen des Wirkungsgrades feststellen wird.
Frank Steichen
Auf einen Blick

Alle genehmigten Photovoltaik-Anlagen von Privathaushalten auf einen Blick, die das Kreditkomitee von Etika zwischen Februar und November 2002 genehmigte. In der Regel werden 50% der Investitionskosten vom Staat zurückerstattet. Diesen Teil finanziert Etika vor, in der Regel bis zu einem halben Jahr.

1. Frank & Paul Steichen, Filsdorf: 253.400 Euro für 7 Familien
(à 4 kwp)
2. Stein-Molitor, Viviane und André, Gonderange: 6,8 Kwp: 50.500 euro
3. Groben, Frank u. Hauffels, Jackie, Rood-Syre, 8 kwp: 62.000 euro
4. Edouard Beckius, Mertert:
40.000 euro
5. Maquil-Streber, Robert; Stegen: 5,85 kwp: 45.500 euro
6. Zuidberg-Weiler, Bissen, 3,84 kwp: 32.600 euro
7. Martin, Romain u. Martin Mirelle, Dippach, 4 kwp: 30.400 euro
8. Peters-Lucas, Henri, Scheidel, 3,84 Kwp: 36.400 euro
9. Hoffmann-Meyer, Robert, Steinsel, 4 Kwp: 34.000 euro

Vorfinanzierung diverser Projekte

Eclaireurs et Eclaireuses pour le Developpment Communautaire (ONGD-FNEL).
Diese ONG wurde 1989 gegründet mit dem Ziel, gemeinschaftliche Entwicklungshilfe-projekte im Zusammenhang mit dem «Guiden a Scouten» durchzuführen. Sie ist seit 1990 vor allem im Nepal tätig, dessen Hauptziel der Arbeitseinsatz- und Arbeitsaustausch junger Menschen für gemeinschaftliche Projekte ist, um zur nicht-formelle Bildung beizutragen.
Die ONGD hatte sich mit zwei Projekten an Etika gewandt:
Zum Einen zur Vorfinanzierung von Gehaltskosten von September 2002 bis September 2003 für eine neu zu schaffende Sekretariatsposition.
Die ONGD hatte im September 2002 einen Mitarbeiter für Sekretariatsarbeiten und zur Abwicklung der Entwicklungsprojekte eingesellt, dessen Gehaltskosten durch einen Kredit vorfinanziert werden mussten. Eine Rücküberweisung dieser Kosten wird aufgrund eines entsprechenden «accord cadre» durch das Aussenministerium erwartet.
Das Kreditkomitee befürwortet das Projekt und genehmigt die Bonifikation zum Kredit in Höhe von 50.000 EUR für die Dauer von einem Jahr (bis Herbst 2003).
Das zweite Projekt der ONGD-FNEL betrifft ein Projekt zur Sensibilisierung junger Menschen im Nepal und in Burkina Faso; für dessen Umsetzung eine Kofinanzierung beim Aussen- und Entwicklungshilfe-Ministerium beantragt wurde. Wiederum als Vorfinanzierung der entsprechenden Projektkosten von 54.000 Euro wurde bei Etika die Bonikation zum Kredit angefragt und vom Kreditkomitee genehmigt.

Der Garantie- und Unterstützungsfonds

Dieser Fonds ist mit 229.000 Euro dotiert (November 2002). Diese Gelder stammen aus den Zinserträgen, die nicht an die Sparer abgeflossen sind (Zinsverzicht) und auch nicht an Kreditnehmer weitergeleitet werden konnten.
Ein Teil des Fonds wurde in diesem Jahr für die Vergabe von kurzfristigen Überbrückungskrediten genutzt. Und zwar für Kredite an andere Nicht-Regierungs-Organisationen in Luxemburg, die vom Entwicklungshilfe-Ministerium im Rahmen einer Konvention unterstützt werden, aber eine Zeitperiode überbrücken müssen, bis die entsprechenden Subventionen ausgezahlt werden.
Juli 2002: 67.000 Euro an die «Action Soldarité Tiers Monde» (ASTM) zur Vorfinanzierung von Gehältern. Der Kredit wurde nach 6 Wochen mit 4% Zinsen zurückbezahlt.
Juli 2002: 20.000 Euro an den Cercle des ONGD, zur Vorfinanzierung von Gehältern, zurückbezahlt mit 4% Zinsen.
November 2002: Vergabe eines Überbrückungskredits von 28.470 Euro an die «Association aux Travailleurs Immigrés» (ASTI) zur Kosten-Überbrückung im Zusammenhang mit dem Projekt «Carnaval des Cultures 2002». Der Kredit soll in 2 1/2 Monaten zurückgezahlt werden.

Traditionnelles Geld im Afrika des 16. Jahrhunderts :Die Kaurimuschel

Gab es in Afrika - terra incognita für Viele - Geld, bevor die Entdecker und Kolonialisten kamen? Wie war das eigentlich mit dem Handel, bevor Europäer den MariaTheresien-Taler oder die Deutsche Mark einführten? Und was hat das mit der heutigen Zeit zu tun?
Spannende Fragen, wenn man bedenkt, dass seit dem 13. Jahrhundert bis zur Kolonialzeit die «Zentralbank» für afrikanisches Geld in Venedig, Amsterdam, London oder Hamburg saß. Ist das heute anders, wo z.B. die Zentralbank für die ehemaligen französischen Kolonien ihren Sitz in Paris hat und die von ihr kontrollierte Währung cfa (CFAFranc = Währungseinheit der Communauté Financière Africaine, der mit Frankreich assoziierten Gebiete Afrikas) fest an den EURO gekoppelt ist? In diesem Fall entscheidet also die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main über den Wert des Geldes in Kamerun, Mali oder Benin. Abhängigkeitsstrukturen und die Verteilung von Macht und Ohnmacht sind oft älter, als wir wahrhaben wollen. Aber das kollektive Gedächtnis einer Gesellschaft bewahrt auch die Erinnerung daran. Und so finden wir noch heute überall in Afrika Spuren des alten Geldes, als Symbol für Reichtum und Macht, Fruchtbarkeit und Glück - und auch koloniale Machtstrukturen sind noch präsent.

Muschelgeld - Kauriwährung

«Das nach Zeit und Raum am weitesten verbreitete (...), auch heute noch gebrauchte Muschelgeld der Erde» ist das Kaurigeld, schrieb 1905 Oskar Schneider in seinen Muschelgeldstudien. Kauri, cowry oder cowree (engl.), Kauwers (niederl.), coris oder cauris oder bouge (franz.), buclo (span.) ist keine Muschel, sondern eine Schnecke der tropischen Meere aus der Familie Cypraeida (Porzellanschnecken).
Als Münze und Schmuck in Afrika galt ursprünglich die cypraea moneta. Die cypraea moneta kommt im indischen Ozean, bei den Malediven, an den Küsten Borneos, den Philippinen und in der Südsee vor.
Die «Kauriwährung» war im Altertum in ganz Asien verbreitet. Das verdankte sie nicht allein ihrer Haltbarkeit und Schönheit (sie ähnelt feinem Porzellan), sondern vor allem ihrer Form, die Fruchtbarkeit (Schwangere, Scheide) symbolisierte. So trugen um 1500 in Teilen Indiens Frauen einen Schal mit einer Kauri in der Mitte zum Zeichen ihrer Mutterschaft. Auf Grund dieser eindeutigen Symbolik nahmen Reisende die Kauri mit nach Europa und Afrika. So fand man bei Ausgrabungen Kauris in etruskischen Gräbern ebenso wie in pompejanischen Ausgrabungen, wo die Kauri zum Schutz gegen Sterilität verwendet wurde. Aber man fand sie auch in norwegischen und ägyptischen Gräbern, in mittelalterlichen Frauengräbern, man entdeckte sie in Ninive ebenso wie in Transkaukasien oder Kreta, in Turkestan und in
England.
Es waren wohl zunächst arabische Händler, die Kauris als Schmuck über Nordafrika, durch die Sahara nach Westafrika brachten. Wie aus der schönen, symbolträchtigen Kaurimuschel eine «Kauriwährung» wurde, kann heute nicht mehr rekonstruiert werden, zu weit reicht diese Entwicklung in die Geschichte zurück. Der arabische Historiker alBakri berichtet schon im Jahre 1067 von der Bedeutung der Kauri im Songhay-Reich (heutiges Gebiet von Mali). Im 14. Jahrhundert kann dann ihre Bedeutung als Handelswährung für Westafrika in alten arabischen Berichten nachgewiesen werden.
War die Kauri seit dem Altertum das Geld Asiens (im Jahre 400 n.Chr. zuerst von chinesischen Händlern berichtet), so wanderte sie mit dem Gewürzhandel ab dem 14. Jahrhundert über Kairo nach Venedig, Amsterdam, London oder Lissabon. Venedig war im 15. Jahrhundert der Hauptumschlagplatz für Kaurimuscheln und damit quasi die »Notenbank’ von Westafrikas Kauriwährung.
Nach der Entdeckung des Seewegs nach Indien um Afrika herum, kamen die Kauris mit Segelschiffen direkt aus Indien in die europäischen Handelsstädte und wurden von dort an die afrikanische Westküste gebracht. In einem Buch von 1563 wird berichtet, dass in manchen Jahren bis zu 150 Tonnen cypraea moneta nach Portugal gebracht wurden, von wo aus sie dann nach Guinea und in die Königreiche Benin und Kongo ausgeführt wurden. Sie dienten den Handelsschiffen auf dem Rückweg von Asien gleichzeitig als Ballast im leeren Schiffsrumpf. Umgeladen und gereinigt konnten sie in Westafrika, wo sie als Geld verwendet wurden, mit hohem Profit verkauft werden.
Längere Zeit wurde der gesamte Sklavenhandel an der westafrikanischen Küste mit Hilfe von Kauris bezahlt. Dabei »kosteten» 500 Sklaven ca. 120 Zentner cypraea moneta.

Bedeutung und Niedergang der Kauriwährung

Die Kauriwährung war ein Zahlungsmittel, das modernen Ansprüchen genügt:
Kaurimuscheln sind ziemlich leicht, genauso haltbar wie Metallmünzen, jedoch nicht anfällig gegen Korrosion (Einflüsse von Wasser oder Erdreich) und nur schwer zu zerbrechen.
Sie sind - im Gegensatz zu Münzen - im Prinzip nicht von Falschmünzern nachzumachen.
Sie sind leicht zu handhaben und können nach Gewicht, Volumen oder durch Zählen ausgegeben werden.
Sie sind ein flexibles Zahlungsmittel. Ihr Tauschwert reicht von kleinsten Mengen (25 Kauris wurden in Nigeria zu Beginn der Kolonialzeit gegen die kleinste britische Kupfermünze getauscht) bis zu den enormen Werten von mehr als einer halben Million Kauris.
Sie waren international gültig. Eine Hand voll Kauris konnte in Burma oder Timbuktu, am Golf von Bengalen genauso wie am Niger ausgegeben werden. Im Gegensatz zu Münzen waren sie frei von nationalen Symbolen und somit akzeptabel für große zentralistische Reiche wie für kleine autonome Gemeinschaften im Regenwald. Muslime, Hindus oder Anhänger afrikanischer Religionen, sie alle handelten ohne Probleme mit den Kaurimuscheln.
Über Jahrhunderte hinweg erwies sich die Kauri als stabiles Zahlungsmittel. Ein seltenes Gut, das von weither transportiert werden musste (hohe Transportkosten!), sich gut «horten» ließ und damit für schlechte Zeiten oder rituelle Zwecke eine Rücklage bildete - all das sind Kriterien für einen stabilen Austausch.
Der Zusammenbruch der Kauriwährung (die Inflation) wurde durch zwei Faktoren verursacht: Die massenweise Einführung von BilligMuscheln aus Sansibar (geringer Einkaufspreis, weil vor Ort nicht als Zahlungsmittel benutzt, kurzer Transportweg) entwertete die Kauri (siehe: »Hamburger Falschmünzerei»).
Die Einführung einer Kopfsteuer durch die Kolonialmächte an der Goldküste führte dazu, dass mit einem Schlag 40 Millionen Kauris auf den Markt geworfen wurden. Sie stammten aus den Sparbeständen der Bevölkerung. Von der Kolonialverwaltung wurden sie, da nicht in die Kolonialwährung umtauschbar, auf den lokalen Märkten von Accra realisiert, d.h. in Waren umgesetzt. Der Markt brach zusammen. Kauris erbrachten nur noch 1/4 ihres Wertes. 1850 waren in Accra 2000 Kauris noch 4 Shilling wert, 1895 nur noch 1 Shilling. Da die Händler versuchten, auf andere Regionen oder das Inland auszuweichen, um dort die enormen Mengen an Kaunis in Waren umzusetzen, wurde der Markt auch dort überschwemmt und die Inflation weitergetragen. Die Ersparnisse der Menschen, ihre Reserven in Kaurimuscheln wurden damit in kürzester Zeit entwertet.

Hamburger Falschmünzerei

Das Hamburger Handelshaus Adolph Jacob Hertz Söhne sandte 1844 ein Segelschiff nach den Malediven, um dort Kauris aufzukaufen. Da die Menschen auf den Malediven gewöhnlich ihre Kauris bei den Händlern aus Tschittagong-Kalkutta gegen dringend benötigten Reis eintauschten, blieb das deutsche Schiff ohne Fracht. Auf der Rückreise fand man in Sansibar eine große Menge ähnlicher »Muscheln’: cypraea annulus, die dort zu Kalk gebrannt wurden. Sollte man nicht versuchen, diese «falsche Muschel» in Westafrika einzuführen? Man versuchte es - und es gelang. Hatte man auf den Malediven für einen Zentner cypraea moneta (45. - 48.000 Stück) 8-9 Dollar bezahlt so kostete der Zentner der «BilligMuschel» cypraea annulus (18. - 20.000 Stück) nur 0,75 Dollar. Für den Zentner cypraea moneta erhielt man an der Westküste Afrikas 18 Dollar, für den Zentner cypraea annulus 8 - 9 Dollar. Abgesehen vom großen Gewinn aus der cypraea annulus war der kürzere Weg nach Sansibar ein weiterer Vorteil.

In den Jahren danach fuhren die Hamburger Firmen Hertz’Söhne und Wm. O’Swald u. Co. mit kleinen Schiffen von 150 bis 200 Tonnen zwischen Sansibar und der afrikanischen Westktiste hin und her. Dabei ließen sie sich die Kauris in spanischen Golddoublonen bezahlen, die aus dem Sklavenhandel stammten. Diese Golddoublonen wurden auf der Rückreise in Kapstadt angelandet, zur Überweisung nach Hamburg.
Als dann 1857 auch Marseiller Handelshäuser ins Sansibar-Kauri-Geschäft einstiegen und jährlich bis zu 100.000 Zentner Kauris an die Guineaküste gebracht wurden, stieg der Preis in Sansibar erheblich, während er an der Westküste sank. Schon bald konnte man allenthalben lesen: «...wurde das Kaurigeld vom Dollar ... vom englischen Geld ... von der deutschen Mark ... verdrängt.»