Biomilch aus Bascharage

, von Stéphanie Majerus


















Die ersten Milch-Aufbereitungsmaschinen sind bereits Ende November in Niederkerschen bei Bascharage installiert worden, seit Januar 2016 können die luxemburgischen Bio-Bauern ihre Milch an die neue BIOG-Molkerei abliefern. Die BioG-Molkerei in einer ehemaligen Metzgerei in der Industriezone "Op Zaemer" gewährleistet einen fairen Preis von 0,47€ pro Kilo für die heimischen Milchbauern – zum Vergleich: ein konventioneller Landwirt erhält zurzeit etwa 0,23€ (Stand: Juli 2016) Die neugegründete BIOG-Molkerei s.à r.l., die die Verarbeitungsstelle in betreibt, untersteht der Leitung von Volker Manz, der auch Geschäftsführer der BIOG ist. Der Preis von 0,47€ pro Liter - deutlich mehr als zuvor - ist eine Vereinbarung zwischen den Produzenten, und der BIOG-Molkerei s.à.r.l.

Die BIOG Molkerei hat zunächst mit drei Mitarbeitern begonnen. Volker Manz schätzt allerdings, dass mit der Diversifizierung der Produktbandbreite in den kommenden Jahren weitere Arbeitsplätze entstehen werden. In einer ersten Phase konzentriert sich die Molkerei auf die Verpackung von Milch als Primärware und auf die Verarbeitung von Milch zu Joghurt. Die Milch von insgesamt zehn Landwirten (z.B. von den etika-Projekten Schanck Haff, Kass Haff und Roland Scharll) fließt hier zusammen, das sind insgesamt etwa 15.000 Liter pro Woche und 1,5 bis 2 Millionen Liter im Jahr. Die Übermengen werden zum selben Preis an eine Bio-Molkerei in Belgien geliefert. "Verarbeitet wird diese Milch dann in der Molkerei ’Pur Natur’ in Büllingen bei Sankt Vith", sagt Änder Schank, Vorstandsvorsitzender der Oikopolis-Gruppe (auf dem Foto unten links), zu der auch BIOGROS und die NATURATA-Läden zählen.

Die luxemburgischen Biomilch-Bauern hatten bis zum 31. Dezember 2015 ihre Milch an die Luxlait geliefert. Seit 15 Jahren gewährleistete die größte luxemburgische Molkerei die Milch-Verarbeitung der Bio-Landwirte über eine Kooperation mit deren BIOG-Genossenschaft. Doch seit einigen Jahren reichte das von der BIOG installierte BIO-Plus-System nicht mehr aus, um die Biomilch-Produzenten entsprechend dem ausländischen Bio-Preis zu entgelten. Ein neues Konzept wäre fällig gewesen. Die Tatsache, dass diesbezüglich keine zufriedenstellende Vereinbarung mit der Luxlait gefunden werden konnte, führte im Juni 2015 zur Auflösung der Kooperation (mehr zu den Hintergründen in Artikeln in der woxx), dem Journal und auf der Oikopolis-Website.

Im Oktober kündigte die Oikopolis-Gruppe dann zusammen mit den Erzeugern an, unter dem Namen "BIOG-Molkerei" eine eigene, unabhängige Produktionsstätte aufzubauen.Produziert wird mit einer modernen, wenn auch zehn Jahre alten Abfüllanlage aus Spanien, die in Deutschland überholt wurde. Sie wird als "Mercedes unter den Abfüllanlagen" bezeichnet.

Die BCEE und etika haben einem Investitionskredit von 1.004.500 € auf 10 Jahre zugestimmt, wobei 250.500 € auf 3 Jahre genutzt werden, um die Subventionsauszahlung des Landwirtschaftsministerium zu überbrücken.

In der neuen Anlage finden sich ein Lagertank für Rohmilch, drei Tanks für abfüllbereite Milch und Milchprodukte, eine Pasteurisierungsanlage, eine Milchabfüllanlage und eine Joghurt-Produktionsanlage ihren Platz. Hier kann die Milch der aktuell zehn BIOG-Biobauern vollständig verarbeitet werden. "Der Überschuss fliesst nicht mehr in die klassische Milchproduktion, sondern den können wir nach Belgien exportieren", so Volker Manz. Er ergänzt:

"Die Bauern bekommen auch einen besseren Preis für ihr Produkt, ohne dass sich dadurch die Preise für den Verbraucher erhöhen". Auch an der Verarbeitungsweise der Milch hat sich nicht viel verändert. Die BIOG-Milch wird traditionell hergestellt, also pasteurisiert und homogenisiert. sie wird nicht mikrofiltriert oder stark erhitzt.

Am 3. Juli 2016 gewann die Molkerei den zum Abschluss der Foire Agricole Ettelbruck vergebenen "Bio-Agrar-Präis". Der Preis wird im Rahmen des nationalen Aktionsplanes zur Förderung der biologischen Landwirtschaft vergeben.

Adresse der Geschäftsführung:
BIOG-Molkerei Sarl
13, rue Gabriel Lippmann
L-5365 Munsbach
Homepage

Verwendete Quellen: Backes, Jean-Marie: Bio-Bauern-Milchstrasse (Tageblatt, 17.12.2015); Luxemburger Wort: Bewegung im Milchmarkt (17.12.2015), Bio-Milch - fair und regional (Luxemburger Wort, 30.01.2016), Halmes, Olivier: "Bio-Agrar-Präis für Biog-Molkerei und die Ackerbauschule (Tageblatt 04.07.2016).

Zu empfehlen: Hintergrundartikel in der woxx vom 22.09.2016: Biolandwirtschaft: Wo Milch und Honig fliessen.

Artikel vom 30. November 2015, letzte Aktualisierung am 18. Oktober 2016