Label für die nachhaltige Geldanlage

, von Ekkehart Schmidt

Immer mehr Siegel (engl. "label") sollen Konsument*innen signalisieren, dass es Unterschiede zwischen den Produkten gibt und dass man sich zwischen besseren und schlechteren Produkten entscheiden kann. Uns interessieren hier vor allem in Bezug auf soziale und ökologische Kriterien "bessere" Produkte.

Das Portal "utopia" hat einen Überblick über die Vielfalt der im deutschsprachigen Raum genutzten Siegel für typische Konsumgüter erstellt. Sehr viel weniger Labels gibt es zu Produkten des Finanzmarktes. Das ist erstaunlich, ist doch auch an der Börse die Bedeutung des Nach­haltigkeits­prinzips deutlich gestiegen. Immer mehr Anleger sind auf der Suche nach Ethik- oder Ökofonds, grünen Aktien und ethischen ETFs oder auch schlicht einer Bank, die neben einer Rendite für ihre Produkte auch darauf Wert legt, dass diese möglichst ohne negative soziale und ökologische Folgen erwirtschaftet wurde.

Finanzsiegel sind kompliziert zu erklären und die meisten haben einen grossen Nachteil: Sie wurden von privaten Akteuren ohne externe, öffentliche und also unabhängige Kontrolle erstellt. Sie werden daher vor allem von institutionellen Anlegern genutzt (mehr dazu unten).

Für Privatpersonen dominieren stattdessen Tipps zur nachhaltigen Geldanlage, die oft sehr an der Oberfläche bleiben. Im oben verlinkten Beispiel von finanzen.net heisst es zum Beispiel zunächst ganz einfach: "Wer nachhaltig inve­stieren möchte, soll­te darauf achten, dass sein Kapi­tal nicht in Unternehmen fließt, die der Um­welt scha­den, Rü­stungs­ge­schäfte be­trei­ben oder Menschen aus­beu­ten." Dann wird es im Hinblick auf Ausschlusskriterien konkreter: Man müsse "darauf achten, dass das Kapital nicht in Unternehmen fließt, die Rüstungsgeschäfte betreiben, Waffen pro­duzieren oder Kinder für sich ar­beiten lassen. Ebenfalls sollten Anleger nicht in Kon­zerne investie­ren, die Atom­kraftwerke be­trei­ben, mit Gen­technik Geld verdienen oder in irgend­einer Form Umwelt, Natur und Gesell­schaft scha­den. Auch Tabak­konzerne oder Alko­hol­pro­duzen­ten sollten in einem ’grünen’ Portfolio keine Rolle spielen.

Um die Angebote nach­haltiger Geld­anlagen besser bewerten zu können, um wirkllich grüne Wert­papiere zu erkennen und von "greenwashing"-Produkten zu unterscheiden, ist es hilf­reich, sich zunächst dem Be­griff „Nach­haltig­keit“ anzunähern. Das Nach­hal­tig­keits­prin­zip soll sicherstellen, dass ein System in sei­nen wesent­lichen Eigen­schaf­ten dauer­haft er­halten bleibt (mehr dazu: Bundeszentrale für po­li­ti­sche Bil­dung).

Im Gegensatz zu dem Konzept der Ausschlusskriterien investieren manche Anbieter in Unternehmen, die sich in ihrer eigent­lich umstrittenen Branche vergleichsweise stark um Besserung bemühen. Dieser sogenannte Best-in-Class-Ansatz gilt als Mindest­anforderung für eine nach­haltige Geld­anlage. Dieser Ansatz ist aber aufgrund seiner relativ laschen Maß­stäbe bezüglich Nach­haltig­keit sehr umstritten. Anlegern, die nach wirklich nach­haltigen Finanz­produkten suchen, geht dieser Ansatz nicht weit genug. Dass ein Autobauer nachhaltig sein soll, weil er neben zehn Modellen mit Verbrennungsmotor auch ein E-Fahrzeug anbietet, reicht vielen Anlegern nicht aus.

Um nachhaltige Geldanlagen von herkömmlichen Wertpapieren abzugrenzen, kennzeichnet die Finanzbranche diese mit den sogenannten „ESG“-oder SRI-Kriterien. „ESG“ steht für die angel­sächsischen Be­griffe Environ­ment (Ökologie), Social (Soziales) und Gover­nance (Öko­nomie). Allerdings sind die ESG-Kriterien nicht der Weisheit letzter Schluss, weil Anleger die verschiedenen ebenen unterschiedlich bewerten. SRI steht für Socially Responsible Investment.

Schliesslich gibt es noch Finanzprodukte, bei denen aussschließlich in nachhaltige Unternehmen investiert wird (Positivauswahl). Hierbei darf eine Investition lediglich in Unternehmen erfolgen, die bestimmte Produkte und Dienstleistungen anbieten oder bestimmte Produktionsverfahren nutzen. Manche Fonds werden auch als Themenfonds ausgelegt (zum Beispiel Wasser oder Solarenergie). Nicht immer orientieren sich diese Themen freilich an ethischen oder ökologischen Fragestellungen ("Wasser" oder "Wasserkraft" kann Staudammbau mit negativen sozialen und ökologischen folgen bedeuten). Aber generell sind Fonds mit Positivauswahl bzw. ökologioschen Themen am ehesten zu empfehlen.

Es gibt leider bisher keine ein­heit­liche und ver­bind­liche Definition dafür, wie eine nachhaltige Geld­anlage genau von einer nicht nach­hal­tigen Geld­anlage abzu­grenzen ist. In einem Test, der 2014 von der Verbraucher­zen­trale Bremen und Stiftung Waren­test durchgeführt wurde, gab es nur einen einzigen Aktien­fonds, der kon­sequent alle Pro­blem­bran­chen mied – trotz der relativ strengen ESG-Kriterien. Auch die Stiftung Warentest bewertet in regelmäßigen Abständen auch Ökofonds.

Umso wichtiger für eine Einschätzung von Fonds sind die im Folgenden genannten Finanzlabels. 19 dieser Gütesiegel hat Ökotest 2018 getestet. Mit ernüchterndem Ergebnis: "Nichts als Nebel". Im März 2020 erschien eine französischspragie Studie der französischen Plattform Novethic zur Finance Durable (in französischer Sprache), welche die Labels sehr genau untersucht.

Finanzlabels im Überblick:

Ein wichtiger Akteur sind auch Ratingagenturen. Im Bereich Nachhaltigkeit kann die Ratingagentur Vigeo empfohlen werden, die Unternehmen in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit beurteilt.

Als Fachzeitschrift kann die österreichische Zeitschrift Oeko-Invest empfohlen werden.

Artikel vom 6. März 2020