Linksammlung zu ökofairer Mode

, von Ekkehart Schmidt

Noch vor wenigen Jahren galten Mode und Öko als unvereinbares Gegensatzpaar. Aber die Zeiten von „Jesuslatschen“ und Jutesack-Kleidern sind längst passé: Die grüne Welle hat nun auch die Laufstege erreicht. Immer mehr Designer und Modefirmen setzen auf soziale, umweltfreundliche Produktion, fairen Handel und Öko-Materialien. Auch auf den „Glamour-Faktor“ braucht man nicht mehr zu verzichten: Heute fühlt sich ein gutes Gewissen nicht nur gut an, sondern es sieht auch gut aus.

Wirklich “öko“ und „fair“ ist Mode freilich erst, wenn verschiedene Aspekte beachtet werden: die Rohstoffe, ihre Verarbeitung, bestimmte Sozialstandards, ein fairer Handel und der Energieaufwand beim Transport. Wer ein Kleidungsstück aus 100 % Baumwolle trägt, hat nicht automatisch Natur pur auf der Haut. Denn konventionelle Kleider, auch solche aus 100% Baumwolle, werden fast immer intensiv chemisch behandelt. Schon beim Anbau werden reichlich Kunstdünger, Fungizide und Insektizide eingesetzt. Nach Recherchen von Greenpeace landen für den Rohstoff eines einzigen T-Shirts bis zu 150 Gramm Chemie auf dem Acker. Darunter leiden nicht nur die Böden, sondern auch die Menschen, die darauf arbeiten. Verantwortungsvolle Textilhersteller kaufen daher zunehmend Bio-Baumwolle (organic cotton) ein.

Allerdings sind selbst bei biologischer Landwirtschaft noch nicht alle Probleme aus der Welt: Baumwollpflanzen sind enorm durstig: Für ein Kilo werden zwischen 7.000 und 20.000 Liter Wasser (je nach Klimazone) benötigt. Daher sind mittlerweile auch andere Naturfasern im Kommen, die nicht so stark bewässert werden müssen – zum Beispiel aus Bambus und Hanf. Ehrliche Öko-Mode ist jedoch mehr als grün. Sie berücksichtigt auch das Wohlergehen der Bauern und Feldarbeiter und der Arbeiter/innen in den Textilfabriken und Nähereien.

Leider ist nicht alle Mode aus Öko-Baumwolle auch fairgehandelt. Als Beispiel könnte man hier Produkte von C&A nennen. Trotzdem beinhalten die meisten (seriösen) Labels von Biobaumwolle auch soziale Kriterien (z.B GOTS oder IVN).

Viele Mode-Firmen, die mit organischer Baumwolle arbeiten, sind dem Verein TransFair, der Fair Wear Foundation, der Fair Labor Association oder Transparent Trade beigetreten. Damit wollen sie gewährleisten, dass ihre Produkte unter humanen Arbeitsbedingungen (ohne Kinderarbeit), mit sozialen und ökologischen Mindeststandards sowie gerechten Löhnen und Preisen hergestellt werden.

Allgemeine Hintergründe zu diesem Themenkomplex finden sich hier.

Im Folgenden haben wir für Interessierte eine Linkliste zusammen gestellt, die kontinuierlich ergänzt wird:

  • Ein 2011 erschienenes Buch "Eco Fashion" von Kirsten Diekamp und Werner Koch (Stiebner-Verlag) bietet einen umfassenden Überblick über das Thema und präsentiert eine Auflistung der besten Eco-Fashion-Labels weltweit. Schon 2010 erschien das gleichnamige englischsprachige Buch "Eco Fashion" von Sass Brown. Desweiteren können einige blogs empfohlen werden: carlasblog.de, hessnatur.com/blog und Gruenemode.de.
  • Eine Übersicht über Hersteller und Anbieter bietet öko-mode-info sowie - mit Blick auf Babykleidung - auch Bambiona.
  • Wenn aus Gebrauchtem nicht nur etwas Neues entsteht (Recycling), sondern auch etwas Wertvolleres, dann spricht man von Upcycling. Einige Kreative haben die Kunst der Wiederverwertung und -aufbereitung zu ihrem Beruf gemacht. In Luxemburg kann "Made by d’Vitrin" in Mondorf (18, avenue François Clément) empfohlen werden, ein Projekt des CIGR Kanton Réimech, bei dem man sich in Workshops auch selbst ausprobieren kann. Weitere Anbieter von Mode aus recycelten Materialien sind Globe Hope, Schmidttakahashi, Emily Berezin, Feuerwear, Redesign Hamburg und Martin Margiela. Etwas aus dem Rahmen fällt mit "Kunst zum Anziehen" Julia Starp.
  • Um faire Bedingungen und Löhne bemühen sich einige Siegel / Label, die bei Stoffbotin im Überblick erläutert werden. Im Detail:
    Der Global Organic Textile Standard (GOTS: mindestens 70 % der Fasern stammen aus Bio-Anbau), Naturtextil IVN zertifiziert BEST (höchster Anspruch an Ökologie und Sozialstandards), TransFair, die Fair Wear Foundation (zertifiziert werden humane Arbeitsbedingungen bei den Produzenten), Transparent Trade, das Label STEP für Teppiche, die unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden, oder die Fair Labor Association, der unter anderem H&M 2005 beigetreten ist (weitere Infos hier), nachdem die Firma stark wegen ihrer Einkaufspolitik kritisiert worden ist.
  • Besonderheiten sind Textilunternehmen, die ganz auf Regionalität setzen (z.B. Manomama) oder Cradle to Cradle Kollektionen, deren Konzept auf geschlossenen Kreisläufen beruhen, in dem sich die Produkte vollständig in das Ökosystem zurückführen lassen und zu Nährstoffen für neue Pflanzen werden. Das gilt nicht nur für die Stoffe, sondern auch für die verwendeten Farben. ein Pionier ist hier die Linie Trigema Change.
  • In der Großregion SaarLorLux finden sich nicht viele Geschäfte, die Biotextilien anbieten. In Luxemburg zu nennen sind vor allem Naturwelten und Akabo (Bus und Boutique), in Saarbrücken Marienkäfer und Grünstreifen sowie Flax in Trier. Einen Überblick über Ladengeschäfte in deutschen Städten findet sich bei Grüne Mode.
  • Im Juli 2009 fand in Berlin unter dem Namen The key to eine erste Messe zum Thema Bio-Mode mit über 100 Ausstellern statt, die zumindest bis 2014 existierte (mehr Infos finden sie hier), im November 2009 und im Januar 2010 wurden in Stralsund und bei der Berlin Fashion Week das Projekt "Green Avantgarde" präsentiert. In Frankfurt findet seit einigen Jahren die einzige internationale Naturtextilmesse "Innatex" statt (zuletzt vom 21. - 23. Januar sowie 29.-31. Juli 2017, mehr dazu hier).
  • Wie fair produzieren Kleiderfirmen? Was verbirgt sich hinter den Werbeverspechen von Kleiderfirmen, die sagen, sie halten sozialen Mindeststandards ein oder seien Mitglied bei diversen Initiativen? Die Organisation „Erklärung von Bern“ (EvB) hat im Rahmen der Clean Clothes Campaign im Sommer 2010 eine breit angelegte Firmenbefragung durchgeführt und untersucht, mit welchen Massnahmen die Kleiderfirmen auf der Ebene ihrer Unternehmenspolitik die Produktion steuern und inwiefern sie sich für die Einhaltung der Arbeits- und Menschenrechte und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben einsetzen. Herausgekommen ist eine Sammlung (link hier) von 80 Firmenporträts aus den Bereichen Fashion, Outdoor, Streetwear, Sportswear und Skatewear.
  • Die Zeitschrift "Südwind" hat Ende 2011 ein umfassendes Verzeichnis von Labels, Gütesiegeln und Geschäften für faire und ethische Mode erstellt. Modelabels, die den Nachhaltigkeits-Check ausgefüllt haben, werden mit einem umfangreichen Profil präsentiert und bewertet.
  • Seit Oktober 2011 kann man an der Esmod Berlin "International University of Fashion" einen Masterstudiengang in nachhaltiger Mode belegen. Infos hier.

Artikel vom 2. Februar 2017