Nachruf auf Georges Gaasch

, von Ekkehart Schmidt

Es war vor etwa zwei Jahren, als Georges Gaasch als Vertreter des etika-Gründungsitglieds Inter Actions die Nachfolge von André Reuter im etika-Verwaltungsrat übernahm. Bei Inter Actions war er lange Jahre aktiv gewesen, unter anderem auch als Kassenreviseur. Ferner war er von Beginn an Mitglied des Geschäftsführerteams von Polygone und zuletzt auch Mitglied dessen Verwaltungstrates. Ein frisch gebackener Rentner im Unruhestand also.

Wir spürten sofort ein hohes soziales und ökologisches Engagement, während ihm die Welt der so genannten „Hochfinanz“ ein eher unangenehmes Feld zu sein schien. Er war in diesem Bereich lange Jahre tätig, schien aber froh zu sein, aus diesem Sektor ausgestiegen zu sein und in der zweiten Hälfte seines Berufslebens im sozialen Bereich tätig werden zu können.

Er arbeitete sich bei etika schnell ein, zumal es – anders als in der Sensibilisierungsarbeit unseres Vereins – im Verwaltungsrat eher um Sozialfinanz und Administratives geht. Damit hatte er viel Erfahrung: Viele jahre lang war er Leiter der Verwaltungsabteilung des Vereins „Ligue pour le secours aux personnes mentalement ou cérébralement handicapées“ (HMC).

Die 1963 in Luxemburg gegründete Liga unterstützt geistig oder zerebral behinderte Kinder und Jugendliche beim Schulbesuch und dem Weg ins Berufsleben. Es ging Georges bei seinem Engagement vor allem darum, Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzubringen und dazu beizutragen, dass Barrieren überwunden und Vorurteile abgebaut werden können. So wird Verständnis füreinander geweckt und im Denken der Menschen etwas bewirkt. Mit vielen öffentlichen Aktionen, insbesondere einem jährlichen Sommerfest, hat sich Georges dafür eingesetzt, dass Berührungsängste abgebaut werden. „Das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung ist von Verständnis und Akzeptanz geprägt. Wir wünschen, dass es in der Luxemburger Gesellschaft noch tiefer verwurzelt wird“, betonte er einmal bei einem solchen Anlass.

In Clervaux geboren, hatte Georges seine Kindheit in Wilwerwiltz verbracht, besuchte dann das klassische Lyzeum in Diekirch, ehe er Wirtschaftswissenschaften in Louvain-la-Neuve studierte. Zurück in Luxemburg arbeitete er bei Cedel International, die später in Clearstream umgewandelt wurde. Als ambitionierter Mitarbeiter strebte er zunächst einen Direktoriumsposten an und wechselte dafür kurz zu Schröder und Associes, dann zur Banque Génerale und schliesslich zurück zu Clearstream. Nachdem die Abwicklungs- und Verwahrgesellschaft jedoch von der Deutschen Börse übernommen worden war und zu einem der grössten Anbieter von Wertpapierdiensten weltweit entwickelt werden sollte, wechselte in den sozialen Sektor.

Seine soziale Ader war trotz dieser beruflichen Stationen von Anfang an stark ausgeprägt gewesen. Schon seit seiner Rückkehr aus Louvain-la-Neuve war er mit drei anderen Wirtschaftswissenschaftlern im Geschäftsführerteam von Polygone aktiv (neben drei Sozialarbeitern) und zugleich Mitglied von Inter Actions.

Noch im März dieses Jahres trat Georges auch dem Vorstand des Vereins Orang Utan Help Letzebuerg bei, der sich dafür engagiert, die Zerstörung des Lebensraums der Menschenaffen zu verhindern. Noch im Mai nahm er an der etika-Mitgliederversammlung teil und nichts deutete darauf hin, dass er im Alter von 65 Jahren am 13. August unerwartet zuhause in Bartringen verstarb.

Seiner Frau und seinen drei Kindern drücken wir hiermit unser tiefes Beileid aus.

Das Foto links zeigt ihn während unserer Reflexionstage in Esch/ Alzette im Juli 2018.

Lesen Sie hier die Todesanzeige im Luxemburger Wort

Artikel vom 23. August, aktualisiert am 15. September 2019