CELL - Wege für die Transition

, von Stéphanie Majerus



















„Meine Aufgabe ist es zu verhindern, dass ein Donut entsteht“, sagt Norry Schneider, erster hauptberuflicher Mitarbeiter von CELL(Centre for Ecological Learning Luxembourg). „Damit meine ich, dass es wichtig ist, die Vernetzung von einzelnen Untergruppen des CELL aufrecht zu erhalten. Wir wollen verhindern, dass ein Kommunikations-Loch entsteht, wie bei einem Donut, das die Dynamik der Transition-Bewegung schluckt“, erläutert Norry Schneider, gelernter Umweltwissenschaftler.

Das CELL wurde 2010 aus der Idee heraus gegründet, eine Plattform zu schaffen, die konkret über postfossile Wirtschafts- und Lebensformen nachdenkt und diese implementiert. CELL Gründerin ist die Kulturanthropologin Katy Fox, die das Netzwerk als Teil der 2006 entstandenen Transition-Town-Bewegung sieht. Hauptinitiator der Bewegung ist der irische Permakulturalist Rob Hopkins. Die Permaklultur ist ein Konzept, das darauf abzielt nachhaltige und naturnahe Kreisläufe zu schaffen. Heute beschränkt sich die Permakultur nicht mehr nur auf die Landwirtschaft, sondern ist inzwischen ein Denkprinzip, das auch Bereiche wie die Energieversorgung und die Gestaltung sozialer Infrastrukturen umfasst.

Bisher sind 5 Transition-Gruppen Teil des CELL-Netzwerkes: Transition West, Transition Minette, Transition Mersch, Transition Eisléck und eine enge Kooperation besteht mit „equiclic“ Junglinster. Das bisher größte Projekt zu alternativen Energien wurde von Transition Minette umgesetzt: 2013 wurde die Escher Energiekooperative Enercoop gegründet, die mittlerweile 80 Genossen zählt. Neben Enercoop sind noch zwei weitere Kooperativen entstanden: Die Gemüseanbaukooperative TERRA hat sich 2014 auf Eecherfeld etabliert und beliefert an die 150 Familien. Und die kürzlich gegründete Kooperative Kilominett0 verfolgt ihrerseits das Ziel regionale Produzenten zu unterstützen, indem sie den Direktverkauf fördert.

Neben diesen bereits bestehenden Projekten ist Norry Schneider an weiteren innovativen Projekte beteiligt, darunter die „Maison de la Transition“ die vor Jahresende ihre Türen öffnen soll. Einen lokalen Laden, eine Kneipe mit Restaurationsangebot, ein Bürgertreffpunkt und ein Co-working-space, sollen unter dem Dach dieses Hauses Platz finden. Außerdem soll eine Arbeitsgruppe initiiert werden, die sich mit neuen, lokaleren Wirtschaftsformen - angepasst an Postwachstumsideale - auseinandersetzt. Auch hierfür will er sich punktuell bestimmte Partner suchen. „An der Uni Luxemburg gibt es eine Gruppe, die sich seit mehreren Semestern mit Nachhaltigkeit beschäftigt“, führt Norry Schneider als Beispiel an. Allgemein bräuchte die Bewegung mehr Unterstützung von Wissenschaftlern. So wüsste eigentlich niemand wie viele Schwermetalle noch im Boden um den ehemaligen Standort der Eisenindustrie vorhanden sind. „Wenn wir aber urban-gardening fördern wollen, dann brauchen wir mehr Informationen über mögliche Schadstoffe“, bekräftigt Norry Schneider.

Hauptschwerpunkt der Konvention, die im Frühjahr von CELL und dem Umweltministerium unterzeichnet wurde, ist die Unterstützung von Gemeinden in Sachen Klimapakt. Insbesondere soll CELL die Bürgerbeteiligung und Nachhaltigkeitsbildung fördern, denn hier fehlt es den Gemeinden oft am notwendigen Handwerk. Zudem solle gemeinsam mit anderen lokale von Bürgern getragene Projekte zum Thema Energiewende (im weitesten Sinne) ermöglicht werden. „Als Bewegung haben wir bestimmte Kompetenzen und einen Überblick über regionale Problematiken, die wir Gemeinden mit auf den Weg geben können. Umgekehrt kennen Politiker Details und konkrete Zahlen, die wir nicht wissen“, meint Norry Schneider. Ab Herbst will er systematisch Daten über Projekte auf Gemeindeniveau sammeln.

Da die Anzahl an anlaufenden Projekten stets wächst, hofft Katy Fox, dass demnächst noch einige weitere Posten geschaffen werden können. Handlungsanweisend sollen bei der ausführenden Kern-Gruppe soziokratische Methoden sein, d.h. Entscheidungen werden von den jeweiligen verantwortlichen Beteiligten selbst getroffen. Die Kerngruppe soll sich - wie es auch jetzt Norry Schneider tut – auf 3 Säulen konzentrieren: Die Einbindung von möglichst vielen lokalen Akteuren, Aus- und Weiterbildungen anbieten oder vermitteln und die Projekte der Untergruppen mitkoordinieren und nach außen kommunizierten.

Aus dem CELL-Netzwerk sind außerdem unterschiedliche thematischen Gruppen herausgewachsen mit Schwerpunkte wie Landbau (SEED, Momo’s Garden, TERRA,Aquaponics) Recycling (wandel.bar, No Waste and Sustainable Living Luxembourg) und alternatives Geld (Beki).

Um CELL bis zum Zeitpunkt der Überweisung von zugesprochenen Zuschüssen, Liquiditätsengpässe zu ersparen, haben die BCEE und etika dem Verein 2015 eine Kreditlinie von 35.000 Euro bereitgestellt, die jährlich erneuert wird.

Ausdehnung der Aktivitäten 2017

Neben Projekten wie dem Äerdschëff engagiert CELL sich nunmehr auch in den Bereichen „Urban Gardening“ und „REconomy“, für die die bestehende Kreditlinie 2017 erweitert wurde. Beide sind sehr unterschiedlich, fügen sich aber konsequent in die Philosophie von CELL ein.

Unter dem ersten Begriff (deutsch: Gemeinschaftsgarten) versteht CELL eine Hilfestellung bei neuen Gartenprojekten, die durch eine Gruppe ausgebildeter freiwilliger Helfer durchgeführt werden. Es geht dabei um eine Begleitung beim Start des gemeinsamen Kompostierens, um das Angebot einer gemeinschaftlichen Weiterbildung im Bereich des Gartenbaus, ferner um die Organisation von Veranstaltungen, wie einer Pflanzen- und Samenbörse, und den Aufbau eines Netzwerks zwischen Bürgern und der Transition Alimentaire sowie schließlich um die Erstellung einer gemeinsamen Internetseite der verschiedenen Gemüsegärten in Luxemburg: www.eisegaart.lu

Ferner wird unter dem Begriff „REconomy“ ein Netzwerk von Gemeinschaften verstanden, die dabei sind, lokale Wirtschaftsweisen in dem Sinne zu transformieren, dass sie nachhaltiger und widerstandsfähig in Bezug auf Effekte des Klimawandels werden („Kreislaufwirtschaft“). Es geht darum, einzelne Projekte und Unternehmungen in der Gründungs- und Aufbauphase zu unterstützen.

Bei der Vernetzung dieser Gemeinschaften wird in besonderer Weise auf Gleichheit und Wohlergehen geachtet. Anvisiert wird auch eine stadträumliche Intervention in Esch/Alzette. Das Projekt mit Gesamtkosten in Höhe von 204.000 Euro wird vom Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur und dem Familienministerium gefördert.

Beide Projekte haben seitens etika und der BCEE im Sommer 2017 jeweils eine Kreditlinie erhalten, die jährlich erneuert wird: REconomy in Höhe von 16.550 Euro (bis April 2019) und Urban Gardening in Höhe von 64.000 Euro (Dauer: Maximal 2,5 Jahre).

Bei einer Radtour haben wir das CELL am Sonntag, 8. Mai 2016 besucht. Mehr Infos dazu hier.

Am 19. Juli 2016 erhielt CELL den etika-Preis 2016 (mehr dazu hier) sowie am 6. Februar 2017 den Präis Hëllef fir d’Natur von natur&ëmwelt.

Kontakt:
1 Leewelerwee,
L-8523 Beckerich,
Tel.: +352 691 643 124,
Mail: info@cell.lu

Artikel vom 25. September 2015, letzte Aktualisierung am 7. November 2017