Isländerpferde für Kinder mit Behinderungen

, von Jean-Sébastien Zippert

Der Naturpferdehof von Anne Muller in Weiler-la-Tour hat 2007 einen zinsvergünstigten Kredit in Höhe von 550.000 Euro mit einer Laufzeit von 20 Jahren erhalten. Dieser Kredit dient zur Finanzierung der Einrichtung einer Reittherapie für Menschen mit Behinderungen in.

Dieses Projekt auf einem Aussiedlerhof im Süden von Luxemburg-Stadt wird einerseits unterstützt, weil es eine Reittherapie für Kinder mit Behinderungen anbietet, andererseits aber auch, weil die Isländer beim Entbuschen von Natur- und Vogelschutzgebieten helfen. Der Kredit wurde aber auch wegen der positiven Auswirkungen des Projekts auf die Landschaft gewährt und wegen der Schaffung eines Arbeitsplatzes für eine Stallhilfe.

Die Pferde auf dem Hof sind mehrheitlich Isländer. „Diese Rasse ist ganz besonders geeignet für die Reittherapie von Kindern mit Behin- derungen,“ erklärt Anne Muller, Inhaberin eines Trainerscheins für Isländer Pferde, „denn die Tiere haben einen sehr ruhigen Charakter. Man kann sehr viel mit ihnen machen, und sie bleiben trotzdem immer ruhig.“

Kinder mit Behinderungen werden in Gruppen mit nichtbehinderten Kindern integriert. „Das ist nicht nur für die Kinder mit Behinderungen von Vorteil, denn die anderen Kinder kümmern sich um sie, sondern hilft auch den nicht behinderten Kindern in ihrer Sozialisierung, da sie Verantwortung für andere Menschen übernehmen,“ erläutert Anne Muller weiter. Das Konzept ist freilich offen gehalten: „Die Pferde, unsere Hunde und die anwesenden Kinder sollen sich als Teil einer Familie fühlen“. Während der Ausritte lernen die Kinder aufrecht zu sitzen und das Gleichgewicht zu halten. „Die Ausflüge mit den Pferden finden meist in Begleitung statt und wir nehmen dann auch ganz besonders ruhige Tiere,“ sagt die Inhaberin des Hofes, die seit bald 30 Jahren mit „Isis“ arbeitet, wie die Isländer in Anlehnung an das englische Wort „easy“ (zu deutsch: einfach) auch genannt werden.

„Der Isländer ist sehr genügsam, er frisst im Prinzip fast alles. Deswegen kann man ihn so gut bei der Landschaftspflege einsetzen, vor allem bei der Entbuschung von Natur- und Vogelschutzgebieten,“ erklärt Anne Muller die ökologische Seite des Naturpferdehofs. Ihre 69 Pferde sind sehr widerstandsfähig und können problemlos im Winter im Freien bleiben. Viele grasen auf Weideplätzen ausserhalb des Hofs, unter anderem in Vogelschutz- und Biodiversitätsgebieten.

Zwar dauerte es gut sieben Jahre, bis Anne Muller von der Gemeinde die Genehmigung für den Hof erhielt, seit der Vergabe des Kredits ging es nun aber sehr schnell: Es entstanden eine Reithalle, eine Stallung, eine Scheune, ein Wohnhaus und eine „Ovalbahn“ für Ausritte von Anfängern bzw. das Training von Turnierreitern.

Gäste sind willkommen. Dienstags ab 10 Uhr können Reitstunden genommen werden, freitags ist von 10 bis 18 Uhr Ponytag. Neben der Ovalbahn kann auch die Reithalle genutzt werden. Zehn Reitstunden kosten ab 150 Euro pro Kind. Auf dem Hof stehen ferner neben vielen Pferden "in Pension" auch einige "Rentnerpferde".

Als besonderes „Highlight“ gibt der deutsche Bundestrainer der Isländer-WM-Equipe zwei bis drei Mal im Jahr Reitstunden.

Die Islandpferde sind wegen ihrer robusten und sanften Natur bekannt. Oben: Begegnung des dreiwöchigen Fohlens „Fjalar“ mit dem quirligen Hofhund „Idefix“

...................................................................................................................
Kontakt: Anne Muller, rue Schlammesté, Weiler-la-Tour, Tel.: 621 24 24 81, anne@isi.lu, www.isi.lu (im Aufbau)
Artikel vom 5 September 2007, aktualisiert am 18 Dezember 2014.

Anfahrt: Landstrasse von Hesperange nach Frisange, an der Schlammesté-Kreuzung links abbiegen. Der Hof befindet sich vor dem Ortseingang von Weiler-la-Tour auf der rechten Seite (auf der Karte unten nicht ganz exakt).

....................................................................................................................

Lesen Sie ein Interview von Nicole Godziewski mit Anne Muller (in französischer Sprache), das in La Voix vom 22. Oktober 2008 erschienen ist (klicken Sie auf das Bild unten):